Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 18. Juni 1918 (Leipzig, Postkarte)


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18.6.18. Liebste Freundin! Gestern kam Deine reichhaltige Sendung, für die ich garnicht genug danken kann. Mit Deinen Schneiderkünsten hast Du triumphiert, es ist ganz meisterhaft! Vielen Dank. Die Bilder haben mich dann besonders gefreut, als Ergänzung unsrer gemeinsamen Erinnerungen! Von dem Volkeltaufsatz bekommst Du einen Separatabzug. Der Fehler ist tatsächlich stehen geblieben. Die Cigarren sind ganz gut, obwohl nicht eben billig. Wenn Du bis zu 50 Stück davon bekommen kannst, so würde dies im August - ein Schutz für Dich gegen die Mücken sein. - Hier kam gestern endlich ein
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| furchtbares, aber erlösendes Unwetter, das mir, wie gewöhnlich, den größten Genuß bedeutete. Von meinem Kopfdruck scheint es mich nicht befreit zu haben. Mein Zustand in dieser Hinsicht ist wirklich schauderhaft, da so viel zu tun ist u. ich selbst beim einfachsten Lesen u. Schreiben sofort ermüde. Ich beschränke mich fast ganz auf Kollegs u. die maßlose Korrespondenz. - Schade, daß Du erst jetzt Deine freie Verfügung in den nächsten Wochen erfährst. Am 27. selbst wäre es am schönsten: aber da habe ich Examen, dann Einladung zu Biermann, u. am 29. bin ich in Halle zur Besichtigung der Frauenschule angemeldet. Für den 6. Juli habe ich Vortrag im Verein immatr. Studentinnen über die Frau u. die Wissensch. zugesagt. Am ruhigsten wäre also vom 7. an. Aber, wenn Du ev. Abhaltungen nicht übelnimmst, wäre mir auch die Mitte der Woche vorher, also vom 2. Juli an, eine große Freude. Bitte um nähere Nachrichten.
Frau Kersch. schreibt in ihrem 2. Brief beruhigend. Meine Sorge war groß. Ich war schon entschlossen, nach München zu fahren. - Die Heumannsache kannst Du behalten. - Ist es bei Euch auch so maßlos teuer u. schmal?? Ich führe jetzt Buch, ich kann nur sagen: mit Entsetzen. Über die bevorstehende Odyssee mündlich. Vorige Woche habe ich Anträge, in der Schweiz u. in - Kiew im August zu reden, abgelehnt. Hoffentlich kommt <li. Rand> nichts andres dazwischen. Nochmals tausend Dank u. hrzl. Grüße.
[Kopf] Die liebe Tante hat doch den Klinger bekommen?>