Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 25. Juni 1918 (Leipzig, Postkarte)


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25.6.18. Liebste Freundin! Mein Faden hat einmal wieder sehr viele Knoten, die ich nicht einmal alle herzählen kann, weil ich diese Woche durch 3 Examina, 3 Sitzungen u. die Fahrt nach Halle bis aufs letzte in Anspruch genommen bin. Daß Du nicht kommen kannst, ist meinem Gemüt eine Enttäuschung, aber praktisch betrachtet muß ich ja sagen, wenn wir uns im August sehen können, wäre nach dem 7. Juli die Ausgabe von 100 M nicht zu rechtfertigen. Nun kam heute folgendes: Steigerung der Miete
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| in Ch. von 1000 auf 1200 M. Im ersten Moment lehnte ich innerlich glatt ab. Aber jetzt denke ich anders u. stehe vor der Alternative: entweder alles beim Alten lassen oder Übersiedlung nach Leipzig. Nur das letztere wäre eine definitive Regelung. Alles andre Halbheiten, unter das Lassen des alten Zustandes noch die billigste u. ruhigste ist. Jedenfalls wird unser August nur dann ungestört, u. auch aus diesem Grunde müssen wir vorher sparen. Friedmann beginnt von Wien aus eine briefliche Auseinandersetz. Nieschling kommt morgen auf Urlaub nach Wernigerode u. möchte mich dort sehen, was aber mit Zeit u. Zügen nicht geht. Kersch., sehr langsam genesend, hofft mich in Tegernsee bestimmt zu sehen. Ich friere in der Wohnung. Der Donnerstag wird sehr unruhig: 8 - 9 Kolleg 10 - 11 Examen. 1 - 4 Biermann. 6 - ½ 9 Sitzung. Abends Vorbereitung. Dazwischen denken an Dich. Ich habe das Bedürfnis, Dir noch für Deine liebe große Sendung zu danken, muß aber noch lange um Nachsicht bitten denn die nächsten Tage sind uferlos. Ich rechne auf Dein Verständnis u. Deine Güte. Viel Herzliches u. Liebes Dein Eduard.