Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 31. August 1918 (Stuttgart/Hôtel Banzhaff, Postkarte)


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Stuttgart, Hôtel Banzhaff
31.VIII.18.
Liebste Freundin!
Diese 2 Stunden Fahrt waren für mich sehr sorgenvoll, da meine geographischen Kenntnisse nicht fest genug waren, um mich sicher wissen zu lassen, daß ein Vorzug Dich nach Jagstfeld entführte u. nicht gleich nach Neckarelz, von wo Du wohl erst um 12 nach Heidelberg gekommen wärest u. mit Deinen 4 M kaum das Billet hättest bezahlen können. Hier auf dem Bhf habe ich nun sogleich festgestellt, daß eigtl. alles in Ordnung war, u. ich bin jetzt überzeugt, daß Du gut angekommen bist. - Meine Fahrt war sehr gut: anfangs besetzt, aber Sitzplatz, dann immer leerer, kaum ¼ Std. Verspätung. Hier habe ich nun die mühsame Wahl zwischen Kalbsbraten oder Ochsenzunge*) [li. Rand] oder gefüllten Hahn? (beides mit Gemüse u. Kart. je 4 M), da ich Hackbraten natürlich nicht [unter der Zeile] 2,80 M will, ein "Fisch-
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|gericht (1,70) wohl zu wenig sein wird u. ich keine Geduld habe, die lange Speisekarte im einzelnen zu studieren. Dazu trinke ich Rotwein (¼ = 1,60). So ist's in Württtemberg. Ich mache mir Vorwürfe, daß ich Dich nicht selber der Tante zurücksenden kann. Du bist eben nicht in guten Händen gewesen, sonst hätte ich besser für Deinen Urlaub gesorgt. Viel herzliche Grüße auch unsrer gütigen fürsorg. Wirtin Dein Eduard.