Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 9. September 1918 (Partenkirchen, Postkarte)


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Partenkirchen, den 9. Sept. 1918. Liebste Freundin! Eben haben wir Anderl und Felizitas nach der Bahn gebracht. Das Haus wird nun ganz still sein. Das ist auch etwas, was so nie wiederkommt. Jedenfalls ein Küßchen u. eine Umarmung bekomme ich nicht mehr, wenn der muntere Vogel im Kloster zum jungen Mädchen wird. Er war diesmal so ganz besonders lieb und - gemäßigt. Beim
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| Nachhausekommen fand ich Deinen lieben Brief aus der Bahn. Das Packet kam gestern. Ich danke für alles u. habe mich über die ausgezeichneten Cigarren besonders gefreut. Nur betrübt es mich, daß Du mit dem Packen so viel Not hattest. In Cassel mußt Du Dich nun erst erholen. Das ist eigentlich sehr traurig. Schicke keine Brotmarken, ich habe reichlich u. kann, wenn Ihr braucht, abgeben. Von Riehls seit dem Telegramm kein Wort. Das erwartete Buch kam nicht von Teubner, sondern von Dürr. Der Vorstand hat es umadressiert. Das habe habe ich also. Aber die 2 Sachen von Teubner, die ich auf Reklamation erhielt, waren beide falsch. Auch ein Zeichen der Zeit! <Ein Wort unleserlich> ist neblig. Gestern u. heute entsetzliche Regentage. Trotzdem arbeite ich fast nichts. Frau W. braucht naturgemäß eine Gemütsstütze, diesmal mehr als sonst. Tragische Lage! - Von Ludwig deprimierter Brief aus Hahnenklee, wo zur Nervenkur. Jetzt ist es mit dem Temperamentsoptimismus vorbei, u. der echte Glaube zeigt sich. Ich habe ihn, dennoch. Heinrich Maier sucht vergeblich m. Bedenken zu zerstreuen. Antwort v. Sickinger. Von m. Vater Brief mit 2 sehr guten Bildern, die Du mir später ein bißchen herrichten <li. Rand> mußt. Vater Böhm Schenkelhalsbruch. Wie ist es eigentlich mit den Noten <Kopf> geworden? Tausend Dank. Euch beiden hrzl. Grüße Dein E.