Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 30. September 1918 (Bitterfeld, Postkarte)


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5 N. Bitterfeld (Bahn) 30.9.18. Liebste Freundin! Obwohl das Persönliche in diesen Tagen äußerster Spannung nicht wichtig ist, will ich doch kurz andeutend berichten. Ich war um ½ 1 Unter den Linden. Exc. überließ mich zunächst dem für m. letzte Denkschrift zuständigen Geheimrat, mit dem ich einen scharfen Zusammenstoß hatte. Näheres eignet sich nicht für Postkarte. Hinterher angenehmes
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| Gespräch mit Exc. (die Denkschrift kommt mit einer Verfügung in sämtl. preuß. höhere Schulen, Universitäten u. Provinzialschulkollegien.) Unvermittelt wurde ich zu Tisch eingeladen, bei angeregter Unterhaltung, leider unter völligem Ausschluß der Politik. Exc. zitierte Scheffel seitenweise auswendig. Nach weitere Beratung erhielt ich für 4 Uhr Billet zur Urania, wo ein Lehrfilm "Die Alpen" vorgeführt wurde. Dann wollte ich nach Pankow. Es wurde aber schon dunkel. So stieg ich am Humboldthain aus u. besuchte den alten Böhm im Lazaruskrankenh, der eine große Freude daran hatte. Es geht ihm, wie es da gehen kann. Zu Hause alles so weit in Ordnung u. gute Verständigung. Sonntag 12 traf ich Riehls <ein Wort unleserlich> Kaiserwetter fuhr nach Klösterli u. mit ihm abends heim. Frau Riehl nicht gut bei Gesundheit. Dabei ohne Mädchen. Beide Enkelinnen fort. Heute bis hier schreckliche Rückfahrt trotz II. Kl. - Von Göttingen an kein Warten. <li. Rand> vermutliche Erklärung brieflich. Herzliche Grüße allerseits Eduard.
[re. Rand] Böhms 70. Geburtstag
[S.1, re. Rand] Simmel