Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 1. März 1919 (Leipzig, Postkarte)


1. März Nachm.
Liebste Freundin! Es scheint, daß von Zeit zu Zeit eine Postsache den Ausweg aus unsrem Streikwinkel findet. Da möchte ich Dir nur sagen, daß bis jetzt, so weit mir bekannt ist, blutige Zusammenstöße nicht stattgefunden haben. Indes ist die Stimmung so gespannt, daß ich für die nächsten Tage Schlimmes befürchte. Von den Vorgängen in der Welt wissen wir so gut wie nichts. Eine bürgerliche Zeitung habe ich zuletzt Donnerstag früh gesehen. Jetzt werden alle unterdrückt; an der Un. herrscht eine bedauerliche Zwiespältigkeit der Meinungen mit entsprechendem Verhalten. Dein Packet ist gerade noch durchgerutscht. Der Inhalt war hochwillkommen in jeder Hinsicht. Wie viel Mühe hast Du Dir wieder gemacht! Herzlichen Dank! - Den Biermannnschen Optimismus kann ich nicht teilen. Die Krisis ist groß, u. nach berühmten Mustern, denen wir in allem folgen, ist die weitere Entwicklung vorauszusehen. Ich sitze hier bei einem Lichtstumpf, den mir milde <li. Rand> Hände geschenkt haben. Seit 3 Tagen völlige Finsternis. Viel herzliche Grüße Dein Eduard.