Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 5. Juni 1919 (Leipzig, Postkarte)


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5.6.19. Liebste Freundin! Deine wenig gute Nachricht über das Befinden der lieben Tante hat mich recht betrübt. Ich nehme an, daß irgend eine Nachricht verloren gegangen ist; denn daß sie ins Krankenhaus gegangen wäre, kam mir damals ganz unvermittelt, ebenso wie Deine Reise. Ich fürchte, daß Du dich überanstrengst. Gleich nach der mühsamen u. aufregenden Fahrt. Dank für Deinen lieben Brief mit dem Heft. Hast du den meinigen mit dem Originalbrief v. Kerschensteiner
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| vorgefunden? Und den Hölderlin? - Frau W. war von Himmelfahrt bis Sonntag hier, bei schönstem Wetter. Besonders der Sonnabend in Grimma war unbeschreiblich schön. Im übrigen war natürlich viel Arbeit dazwischen zu erledigen. Sonntag vorm. war die (wenig gelungene) Gedächtnisfeier der Universität mit Kruegers ebensowenig gelungener Rede. Nachm. Abschied von Frau Biermann, die seit Montag in Greifswald - B. konnte es nicht mehr aushalten. Sonnabend heiratet Frl. Goetze - dann bin ich hier unter den vielen ganz allein. Auch Herre geht über Pfingsten fort. Ich will versuchen, ob ich Donnerstag bis Sonnabend nach Berlin kann. Wie geht es dort Deiner Schwester? Ich habe lange nichts gehört?? - - Heut hatte ich vielen Ärger. Die Volkshochschulkurse habe ich mit großer Mühe organisiert. Am 3. Feiertag ist das Programm an den Säulen. - Wenn diese Karte zeitig genug kommt, so depeschiere doch bitte an Brautpaar Püschel, Leipzig, Königin-Luisehaus. Freilich müßte es Sonnabend früh sein. Ich hatte so viel zu tun u. war bei der plötzlichen Kühle so müde, daß ich Brief nicht mehr schreiben konnte. Du fühlst mein Gedenken u. m. Wünsche zu Pfingsten. Wie steht Mädchenfrage? Innigst u. teilnahmevoll Dein Eduard.