Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 18. Juni 1919 (Charlottenburg, Kartenbrief)


Charlottenburg, 18. Juni 19 früh 9 Uhr
Liebste Freundin! Durch 2 Karten, die ich der Güte Deines Onkels verdanke, weiß ich zu meiner Freude, daß es mit Dir allmählich aufwärts geht. Bleibe dabei und laß mich bald noch Günstigeres erfahren. Es fehlt mir, daß ich nicht nach Dir sehen kann. - Mein Aufenthalt hier ist für mich durch Wiedersehen schön, im übrigen absolut sinnlos u. bei meiner Arbeitslast nicht zu verantworten. Ob heut um 12 endlich eine Sitzung stattfindet, ist noch dunkel. Wozu auch Sitzungen? Unsre Lage ist so trostlos, daß ich davon nicht reden kann u. darf.
Gestern war ich 2 Stunden beim Minister Schmidt, mit dem ich mich ganz eingehend ausgesprochen habe. Dann bei Frau Paulsen (nicht zu Hause), bei m. Onkel (entzückende halbe Stunde.), traf Borchardt auf der Straße, m. Vetter Theodor kam zufällig zu Besuch. - Heut Abend fahre ich unter allen Umständen zurück u. beginne morgen die Vorlesungen. In welche Zukunft geht es?
Werde Du mir vor allen Dingen gesund! Ich denke täglich an Dich, besser: stündlich Dein Eduard.