Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 4. Juli 1919 (Leipzig)


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Leipzig, den 4. Juli 19.
Mein Liebes!
10 Minuten habe ich noch, ehe ich zu den Übungen jage. Da muß ich Dir doch einen Gruß senden, wenn es auch kein Brief wird. Deine beiden lieben Briefe haben mich durch die Nachricht von Deiner fortschreitenden Genesung beglückt. Mit meinen Gedanken geleite ich Dich auf dem für Dich leider schmerzlichen Wege in das Heim, und ich hoffe, daß Dir die neue Christine tatkräftig zur Seite stehen wird. Unternimm nichts, wozu Dir noch die Kräfte fehlen, laß lieber manches gehen, wie es gehen will.
Von mir kann ich nichts einzelnes berichten.
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| Ich bin nun, nach 8 Monaten, am Rande meiner Kräfte, und ob ich die 4 Wochen noch durchhalte, ist mir bei dem störenden Kopfdruck manchmal zweifelhaft. Es war noch nie so wie jetzt. Zwei würden kaum mit der Arbeit fertig werden. Alle Kollegen klagen über den gleichen Zustand.
Morgen um 6.55 muß ich nach Dresden ins Konsistorium, komme aber schon abends wieder. Am nächsten Sonnabend sind 7. Probelektionen, jeden Tag Sitzung, jeden Tag Examen. Doch will ich Dir nichts vorklagen. Habe daher Nachsicht mit meinem kurzen Schreiben. Mein Herz ist bei Dir, Kopf und Feder wollen nicht mehr.
Sei innig gegrüßt und werde mir ganz gesund und kräftig.
Stets Dein Eduard.