Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 27. August 1919 (Partenkirchen)


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Partenkirchen, den 27. August 1919. Liebste Freundin! Wenn ein Telegramm 2 Tage braucht, so wird wohl ein Brief 4 Tage brauchen. Ich möchte, daß Dich dieser Gruß zum 31. erreicht, den wir vor 16 Jahren am Weißen Stein, vor 1 Jahr in Jagstfeld u. Heilbronn verlebten, und der für mich ein unwandelbarer Festtag ist. Diesmal kommt m. Gruß aus der Ferne. Du siehst daraus, daß Becker mir die Reise nach Berlin bis Ende September erlassen hat. Nicht erlassen konnte er
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| mir die Flut von Briefen, die nun kommen, manchmal 20 an einem Tag; darunter übrigens sehr schöne - wie von einem ungenannten Leipziger Studenten, von Volkelt, von m. Schülern, die mich wie einen Fichte in Berlin begrüßen; von den geschäftlichen zu schweigen. Frau Direktor hatte schon von dem in Reinhardtsdorf jagenden Ministerialdirektor gehört. - Das Wetter war hier überwiegend gut; gestern aber bin ich mit Lore naß geworden, wie weder in Konstanz noch in Goß Gohren. Hoffentlich hat ihr's nicht geschadet, mir nicht. Riehls gehen wohl am Montag. Heute schreibt Nieschling von Elmau, er wolle einige Tage kommen, was mich in einige Verlegenheit setzt: denn ich habe eben nicht den ganzen Tag frei. Noch immer fühle ich mich sehr unproduktiv. Schreibversuche sind völlig mißlungen. - Deine Sorge um Berlin muß dich in quälende Ungewißheit setzen. Man weiß nicht, was man wünschen soll. Ist Christine wieder hergestellt? Und wirst Du mit aller Arbeit rechtzeitig fertig werden? - Joh. Wezel ist sehr erfreut über Frau W. Sie ist sogar zum Wohnen aufgefordert, ist aber zu sehr Freiheitsmensch, um es zu wagen. - Viel herzliche Grüße u. Wünsche von Deinem 16jährigen Freunde
Eduard.