Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 13. November 1919 (Leipzig)


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13.XI.19.
Liebste Freundin!
Ich habe nie ein Wort davon gehört, daß zum Reisen nach der Sperre ein Erlaubnisschein nötig ist. Um aber Dein Mißfallen nicht weiter zu erregen, füge ich eine Bescheinigung bei. Natürlich kann es Dir passieren, daß bei später Ankunft der Fahrkartenverkauf schon geschlossen ist; dann mußt Du einen späteren Zug nehmen; aber nicht über Halle, das ist unpraktisch.
Wenn Du 11.35 ankommst, kann ich am Bhf. sein. Ich muß aber um 12 Sprechstunde halten. Im übrigen liegen wenige Prüfungen vor. Insofern passen die Tage ganz gut. Natürlich ist anderes genug. Eine Garantie, daß ich am 22. nicht reisen muß, kann ich nicht übernehmen. Es wäre ja auch nicht das Schlimmste, wenn Du Dich am Sonnabend
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| und Sonntag hier ausruhtest. Du kannst aber auch am Montag den 21. auf dem Zentralinstitut für Erziehung u. Unt: Potsdamerstr. 120 im Bureau in m. Auftrage fragen, ob eine Sitzung des Ausschusses für Abfassung der Denkschrift über Lehrerbildung geplant sei.
Inzwischen kam Dein großes Paket mit dem Bilde v. Potsdam (?), das schon immer meine Aufmerksamkeit erregt hat und mit dem Du mich sehr erfreut hast. Was es eigentlich darstellen soll, ist mir immer noch nicht klar. Auch für das schöne Briefpapier danke ich Dir herzlich.
Wie ich mich über Dein Kommen freue, habe ich schon im letzten Brief ausgesprochen. Die Änderungsbedürftigkeit Deiner Lebensweise bleibt aber auch eine entscheidende Wahrheit, und wir werden uns eingehend darüber unterhalten müssen. Ein Dienst
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|mädchen findest Du bei uns nicht, dafür eine sehr fromme und sehr beschränkte Dame, die aus wohltätiger (?) Absicht zu diesem Zwecke mißbraucht wird. Sollte ich nicht an der Bahn sein können, so gib Dein Gepäck dem Eiljäger, (wenn Du die rechte große Haupttreppe heruntergehst gleich rechts unten neben der Treppe) Es kommt dann am nächsten Tage noch nicht, weil Feiertag; also richte Dich ein. Die U heißt jetzt Nr. 10. (bis Kronprinzstr.)
Gern höre ich, daß Du Dich von den Strapazen etwas erhost. Von Berlin mußt Du mir noch Näheres erzählen. Reise glücklich und sei herzlich gegrüßt.
in aufrichtiger Vorfreude
von Deinem
Eduard.

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<Stempel des Instituts der Universität Leipzig>
Leipzig, den 13. November 1919.
Fräulein Käthe Hadlich aus Heidelberg hat in geschäftlichen Angelegenheiten des Instituts für Erziehung, Unterricht und Jugendkunde in Leipzig zu tun. Die Reise ist als dringlich zu betrachten.
Prof Dr. Eduard Spranger
Direktor des staatlichen Instituts
für Erziehung, Unterricht u. Jugendkunde
in Leipzig.