Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 4. Dezember 1919 (Leipzig)


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4.XII.19.
Liebste Freundin!
Nimm mit diesem Zettelchen vorlieb, das Dich vielleicht doch noch in Frankfurt erreicht. Ich freute mich Deiner guten Ankunft in Cassel u. hoffe, daß Du den Rest der Reise auch gut zurücklegst. Unsre gemeinsamen Tage waren schön und ungetrübt, und ich bin Dir dankbar für Dein Sein und Kommen. Gleich hinterher habe ich mich doppelt in die Arbeit stürzen müssen und mich bei einer entsetzlich geschriebenen Dissertation überanstrengt, so daß ich nun mich schonen muß, ohne es zu können. Vielmehr wächst die Arbeit ins Lächerliche und Absurde. Dazu muß ich am Sonnabend in Berlin wohl oder übel reden. Ich fahre auch deshalb, weil anscheinend bei m. Vater jetzt schnell allerhand Alters
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|erscheinungen auftreten und man nicht weiß, ob man sich im Februar noch sieht.
Dem Vorstand danke ich für seine Güte. Aber es ist kein Gedanke an eine solche Reise! Ich werde wohl mit Krueger (wo ich die Lage ganz richtig beurteilte) einen Junggesellen Heiligabend begehen. Eben sende ich die letzten Korrekturen ab. Heut abend trage ich der Kommission den Bericht über m. Nachfolge vor. Jeden Tag 2 Examina. - Adelheid Hofmann ladet zu einem Vortrag ein, den sie bei den Theosophen über den Fortschritt der Menschheit hält. So ist es richtig: erst verführen, dann bekehren!
Wenn die Franzosen in Heidelberg einmarschieren sollen, kennst Du nun Dein Zimmer hier. Reise glücklich u. erhole Dich ja in H. Viele Grüße (auch in Frkft, wo Du hoffentlich beraten hast) und tausend Dank
Dein
Eduard.

[] Hier 2 Zeilen <unleserliches Wort> für Dich.