Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 16. April 1920 (Würzburg)


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Würzburg, den 16. April 1920
Liebste Freundin!
In dieser Bude zu schreiben ist ein Kunststück; aber ich kann es doch nicht bei der gestrigen Karte lassen, die Dir meine Ankunft meldete. Die 20 Tage mit Dir waren so heimatlich schön, daß ich nur mit tiefem Schmerz sie abgelaufen sehe. Wenn auch das Eigenste und Wahrste davon unverlierbar ist, so schenkt mir doch das Schicksal zu selten solche Zeiten glücklichen Behütetseins, als daß ich nicht die Sehnsucht danach mit auf die Reise nehmen sollte. Freilich war ich nur ein Murmeltier, aber unaus
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|gesprochen war doch auch diesmal die höhere Welt uns gegenwärtig, in der wir leben, und die uns die wirkliche allein erträglich macht. Vorwärts und rückwärts ist vieles so dunkel. Das Licht in uns aber hat unsren Weg erhellt. Ich danke Dir für alle Geduld und Treue und Fürsorge.
Die Müdigkeit habe ich auch hierhin mitgenommen. Würzburg bietet viel mehr Sehenswertes, als ich von 1903 und 1906 in Erinnerung hatte. Aber Gewitterluft ist wie jedesmal. Heut Nachmittag fällt ein warmer Regen, für den man kaum <unleserlich> die Architektur <unleserlich> hier würde Dich sehr anziehen.
In den Leipziger N. Nachrichten las ich
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| heut neben der Räubergeschichte von Götz, daß ich mich auf der Dresdner Landesschulkonferenz befinde. Ich habe heut telegraphisch dementiert. Alle diese Dinge ekeln mich noch immer an und bereiten mir eine Art Nervenchoc. Und doch werde ich der Reichsschulkonferenz nicht entgehen.
Es bleibt mir keine Wahl, als morgen mit dem Nachtzug zu fahren. Wahrscheinlich werde ich die Nacht stehen müssen. Aber jetzt kommt doch eine Woche <unleserlich> Die für mich angekommenen <unleserlich> hast Du wohl gelesen. <unleserlich> scheint auch nicht mehr zu wissen als wir <unleserlich>
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Wir wollen heut Nachm. nach Veitshöchheim. Heut früh waren wir auf dem Käppele. Gestern im Residenzgarten. Könnte ich doch all die schönen Barockformen u. die Saaldenkmäler von drin optisch behalten. Das lerne ich nicht mehr. Aber ich bin überzeugt, daß diese Art des Sehens viel mehr und für Deinen Unterricht <unleserlich>.
Eben regnet es Rippen. Ich bin verwöhnt mit dem Zuhausesein. Hier ist es nicht einladend. Mit der Reisekost hast Du es ja gut gemeint. Leider ist ein Teil <unleserlich>. Also Maß für Maß. Die Chokolade für Frl. Kolde wir angegessen.
Viel innige Grüße
Dein Dir immer naher
Eduard
[re. Rand] Bitte sage unsrer Freundin viel Herzliches.