Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 25. April 1920 (Berlin)


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Berlin, den 25.IV.20
Liebste Freundin!
Bei sehr schlechter Beleuchtung und in etwas unruhigen Verhältnissen schreibe ich Dir den ersten Brief aus Berlin. Mein Einzug stand unter einem sehr schlechten Stern. In Leipzig ging alles bis zum letzten Augenblick fast glatt und schön. Abends hatte ich schon eine inhaltliche Verstimmung dadurch, daß mein Vater außer für die Wirtschafterinnenfrage nicht das mindeste Interesse für etwas hatte, für diese aber bis in die <...>. Am nächsten Morgen erkundigte ich mich, wo er seine Ringe hätte, und dabei ergab sich, wie vermutet, daß er den großen goldenen Siegelring und einige andere <...> verkauft hatte, weil er mit dem, was ich ihm schicke, nicht auskomme. Es kam nun zu einer
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| sehr <...>. Denn das ist ja nur die Wiederholung dessen, was nach der Auseinandersetzung von 1915 eben nicht stattfinden sollte. Keinerlei Verständnis für das Unfertige, Vertrauenszerstörende dieses Verhaltens. Ich ging in mein Zimmer, um m. Sachen zu packen u. das Haus zu verlassen. Hierbei stellte ich an Bettwäsche u. Hemd fest, daß das Zimmer total verunreinigt ist. Ein neuer Grund, der mich hinaustreibt. Hinter der Unterhaltung hierüber mit Paula vermutete mein Vater allerhand Spitzen gegen sich; deutlicher konnte er sein schlechtes Gewissen nicht zeigen. Er wollte mich nicht fortlassen u. betonte wiederholt: "Ich gehe aus dem Leben, ich mache dich dafür verantwortlich." Paula ergriff seine Partei in einer Weise, die mir um ihretwillen gefiel. Trotzdem riß ich mich los u. ging zu Riehls, die mich sehr lieb aufnahmen u. bei denen ich heut noch wohne. Noch am selben Vormittag ging der arme
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| gute Vater Riehl nach der Pestalozzistr. und versuchte zu Worte zu kommen, was ihm auch in bescheidenem Maße gelang. Er stellte m. Vater u. a. vor, daß ein Teil der Wohnung weiter vermietet werden müßte.
Wie es in mir aussieht bei diesem "Wiedersehen im Vaterhaus" kannst Du Dir denken. Es fehlt auf der anderen Seite jedes Gefühl, daß <gestrichenes Wort: unleserlich> irgend ein Unrecht oder auch nur ein leiser Zug von Selbstsucht vorliege.
Der Ring soll s. Z. 38 M gekostet haben. 100 M hat er bekommen. M. E. hätte er mindestens 300 M bekommen müssen.
Gestern (Sonnabend) gegen 5 kam schon mein Möbelwagen u. ich habe die Sachen in m. Besitz. Hinterher besprach ich mit Susanne Conrad die Wirtschafterinnenfrage. Es tritt also am 1. Mai eine Bekannte von Paula an, die ich noch nicht gesehen habe. Begreiflicherweise <...>
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| ist mir das Wie dieser unhaltbaren Wirtschaft gleichgültig geworden. Heut habe ich schon aufgeräumt und 6 Kisten Bücher ausgepackt. Morgen werde ich mit dem Gröbsten fertig. Dienstag (Riehls 76. Geburtstag) ziehe ich ein. Am 4. u. 5. fange ich an zu lesen. Bis dahin ist natürlich noch <...> zu <...>. <...> Bitte sende mir das Packet nach Berlin W62, Kurfürstendamm 262 II <...> Lage hübsch u. ich sehe auf die <...> am <...>. Frau Riehl borgt mir <...> für Bettwäsche. Wenn Du die beiden <...> könntest, wäre ich Dir sehr dankbar. Ein (Tag)hemd, das ich in Leipzig noch für die Nacht kaufte, kostete 120 M. -
Liebstes Kind, es ist etwas in mir kaput, eine schlechte Reparatur ist zum 5. Mal entzwei gegangen. auch <...> müssen . Heut nur diese kurze Nachricht in innigstem Gedenken an unsren Heidelberger Frieden. Bitte grüße <li. Rand> unsere Freundin Dein Eduard. <...> hier!?!