Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 21. Juni 1920 (Berlin/Phil. Seminar, Postkarte)


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<Poststempel: 21.6.20>
Phil. Seminar, Johannistag 1920.
Liebste Freundin! Ich bin im Begriff, für Dich eine "Geschichte der Reichsschulkonferenz" zu schreiben. Hoffentlich reicht die Zeit dazu. Es ist wichtig, auch die Einzelheiten aufzubewahren, die vor den Kulissen und noch mehr die hinter den Kulissen geschehen. Daß ich die Anstrengungen überlebt habe, ist ein Zeichen von Widerstandskraft. Ich habe es erreicht durch ungeheures Essen (allein für 45M
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| Chokolade) und durch langes Schlafen. Wenn auch von einem "Sieg" meiner Richtung natürlich nicht gesprochen werden kann, so habe ich doch eine ganz zentrale Rolle gespielt und einen ungeheuren Einfluß geübt. Gestern, als ich zu Kerschensteiner in den Grunewald fahren wollte, erhielt ich Deine lieben Zeilen, die mich mit ihren poetischen Schilderungen fast neidisch gemacht haben. Ich habe v. Heidelberg nur Heinrich Maier, Niebergall, Hesching genossen, die beiden ersten aber wirklich. Ob ich nach P. gehe, ist noch nicht bestimmt, weil es so maßlos teuer ist u. ich überhaupt unsäglich viel Geld ausgeben muß. Wenn aber, so dachte ich etwa vom 5./6. August bis 15. September, also wirklich, wenn Du kommst. Solltest Du schon Ende Juli kommen können, wäre es sehr schön. Freilich kann ich Dir das teure u. hungrige Leben hier nicht gerade empfehlen. Aber Deine Nähe u. Deine Hilfe wären mir natürlich unendlich lieb. Für heut nur diesen Gruß. Bald mehr. Heut das 1. Examen. Am 27.6. verreise <li. Rand> ich zu Riehls. Viel innige Grüße Dein Eduard.