Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 7. August 1920 (Partenkirchen, Postkarte)


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Partenkirchen, Pension Witting, 7.VIII.20.
Liebste Freundin! Nun bin ich wohlbehalten am Ziel. Die Fahrt war ganz planmäßig, obwohl wir schon in Jüterbog Maschinendefekt hatten, aber doch so anstrengend, daß ich es in einer Tour (= 22 Std.) nicht mehr machen werde. In München gingen der Brandl (Kollege) und ich in elegantem Schneidungswillen so lange um einander herum, bis wir beide in der IV. Kl. saßen. Auch traf ich Wolfgang Bruhn in der
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| Bahn, wie vor 7 Jahren. In P. waren Frau W. und Felizitas an der Bahn, die letztere sehr rundlich u. nicht eben schön, aber doch ganz die alte und durch ihre entzückende Kindlichkeit gleich wieder m. Herz gewinnend. In der Familie bildet den Mittelpunkt Flock, der neue Hund. Um 10, nach heiterem Abend, kam ich endlich zur Ruhe. Erst um ½ 10 stand ich auf u. genoß das Glück, in dieser schönen Welt wieder sein zu dürfen, zunächst noch ohne bestimmte Arbeit. Nach Tisch schlief ich 2 ¼ Stunde, ein Zeichen der Erschöpfung. Nun muß ich zu Dora Th., die nicht abreisen kann, weil sie wieder nicht gehfähig ist; hoffentlich nur Sehnenzerrung. Ich kann auf dieser Karte nicht sagen, wie m. Gedanken noch bei Dir sind u. wie ich Dein liebevolles Walten dankbar für mich gefühlt habe. Ich muß der Vorsehung unendlich dankbar sein - für Dich. Hoffentlich findest Du nun auch ein paar ruhigere Tage. Es war mit mir, wie meist, eine Kraftprobe. Den lieben Deinen herzlichen Dank für alle Güte, die sie mir erwiesen haben <scil. "und"> noch erweisen.
Ich bleibe in täglichem Gedenken Dein
Eduard.