Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 6. September 1920 (Partenkirchen, Postkarte)


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6. September 1920. Liebstes! Regen ist gar kein Ausdruck. Und eigentlich seit 14 Tagen. Heut ist eine warme Wärme u. dabei Sturm, der vielleicht den Regen weg bläst. Ob Du denn Deine Erkältung ganz überwunden hast? Meine herzlichen Wünsche! Und kann man endlich Glückwünschen? - Ich danke für Deine beiden lieben Briefe. Wundt nicht mehr in der Welt zu wissen, wird mir allerdings schwer. Er hat mir noch 8 Tage vor s. Tode einen Brief geschrieben. - Die Tage gehen hier unförmig und ge
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|sund weiter. Ich bin beim politischen Menschen. Mit Frl. Guttmann bin ich 2mal spazieren gegangen. Heut Nachm. kommt eine Leipziger Studentin zum Kaffee. - Ich freue mich herzlich, daß der Plan Heidelberg Deine Zustimmung findet. Also am 21. - nur wenn gar keine Sonne kommen u. es dann besser werden sollte, würde ich einige Tage zugeben. Vorher aber werde ich Dich bitten, einige Bücher von der U.B. zu besorgen, u. werde das Ms schicken, das schon ein gehöriges Gewicht hat. Für Berlin habe ich nun [über der Zeile] noch ein Anliegen an Dich. Das mit dem Reichsnotopfer hoffe ich schließlich erledigt zu haben. Hingegen hat Frl. Guttmann in der Kohlenfrage eine gefährliche Passivität. Berate doch mal mit dem Frl. am Kurfürstendamm. Ob man den Ofen nicht auf Kohlen umbauen läßt? Dann - was man tun muß, um Kohlenkarte, (auch giltig fürAnthrazit??) zu bekommen. Wer schreiben muß, an wen u.s.w. Mir ist etwas bange vor dem Frieren. - Grüße alle Deine Lieben u. Deine regelmäßigen Umgangsfreunde vielmals. Ich schreibe voraussichtlich nicht mehr nach Berlin. Bitte um Tag Deiner Abreise. Herzlichst u. treu Dein Eduard.