Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 18. Oktober 1920 (Berlin)


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18.X.20.
Liebstes!
Mit Rücksicht auf die große Zahl unsrer Gönner im Hause schreibe ich lieber als Brief, was eigentlich als Karte ginge. Also heut früh 9 Uhr ist das Ms wohlbehalten eingetroffen. Im Austausch gingen die beiden Bücher von der UB. als 2 Drucksachen zurück. Ich danke Dir herzlich für die Mühe des Packens; für die Rechnung, deren Minus meinerseits ich bald begleichen werde, für die Rasierklingen (hast Du nur 2 gekauft oder kommen die anderen im Packet?) und für den Auszug aus Hamann. 100 Stück der betr. Sorte wären ganz erwünscht; aber dann bitte nur bei Gelegenheit mitsenden. Meine Sparkasse haftet für den Betrag.
Ich hoffe, daß Du ganz ausgeschlafen hast und die "äußere Ordnung" in Deinem Heim wieder hergestellt ist. Sei lieb mit dem Joseph und halte das Quack in Zucht. Halte Maß mit dem Zeichnen und mit dem Weintrinken.
Ich war am Freitag zum Rektorwechsel, bei dem Ed. M. wieder einige Deutlichkeiten sagte. Der Talar verbarg meine trotz P. u. H. gebliebene Dürre. Nachm. machte
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| ich den Comenius fertig u. las die Schrift v. Haenisch. Sonnabend sollte letzter Ferientag sein. Ich fuhr mit Susanne schon vor 10 nach Friedrichshagen u. ging mit ihr in trübem Nebel, aber bei stark farbigem Walde die auch sehr schönen Wege nach Fichtenau (dicht bei unsrem Schlußpunkt neulich!) Woltersdorf, Woltersdorfer Schleuse. Da wir noch nicht genug hatten, marschierten wir weiter, verliefen uns an Hand einer alten Karte, kamen aber doch nach Grünheide und bei Eintritt der Dunkelheit nach Franzschleuse. Im ganzen 5 Stunden u. für mich zu viel. Ich bekam einen unangenehmen fiebrigen Nervenzustand, der aber am nächsten Morgen fort war. Sonntag also schrieb ich mit ehernem Griffel meine schwerwiegende Gegenrede gegen H., die abends bei Riehls großen Beifall fand. Heut hat mich Susanne schwer geärgert. Sie besuchte mich, obwohl sie weiß, daß ich es nicht liebe, zumal nicht in Frl. Gs Abwesenheit, schon um 9 ¼. Aber um 9.18 war sie auch schon rausgeschlagen. Um 11 kam der Birkemeier, dann der Studders, u. nun soll am Nachm. das Seminar an die Reihe kommen. Bei mir sind nur 9° R. Aber Riehls heizen auch noch nicht. Damit Schluß dieser Karte. Viel innigen Dank, mein Liebes; wäre ich doch noch bei Dir! Gruß allerseits.
Dein Eduard.