Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 10. November 1920 (Berlin, Postkarte)


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[li. Rand] 10.XI.
Liebste Freundin! Dein lieber Brief kam gestern, das schöne Weißbrot heut (Nieschling, für den ich Kaffee koche, hat gleich eine Probe bekommen, er kam, als der Kaffee eben fertig war!!) Die erste Sendung ist leider, leider ausgeblieben. - Wir haben hier bewegte Tage. Schon Sonnabend Nachm. mußte ich zu Fuß in die Stadt u. im Dunkeln zurück. Sonntag bei Riehl, der etwas erkältet war. Montag ebenfalls zu Fuß; schwacher Besuch der Un. Dienstag blieb ich von 9-7 in der Stadt u. war dann recht müde. Heut wieder zu Fuß; Besuch trotz aller Störungen normal. Es wird wohl so weitergehen. Empörung in der Stadt ist groß. Es handelt sich
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| um politische Gewaltakte. Antwort auf Deine Fragen: 1) Das Köpfchen der kl. Hilde ist nicht größer, als bei allen kleinen Kindern. Aber es ist nicht schön v. d. Natur, einem eine so große Kapsel für die Sorgen mitzugeben. 2) Schröder: Königsberg. 3) Wurmbehandlung so jetzt nicht möglich. Besserung, aber nicht Beseitigung. - 4) Wurst 5 Pfd für 56 M von dem Konsum gekauft. 5) perverse Augenkonvergenz mir nicht bekannt; aber eine der anständigsten Perversitäten unsrer Zeit. 6) Lebensformen - ich hätte wohl noch ein Exemplar, gäbe es aber nicht gern ganz aus der Hand, weil es garnicht mehr zu haben ist. Leihweise steht es zur Verfügung. 7) Ähnlichkeit mit Litt (den man allgemein lobt u. mir sehr dankt) nicht so sehr äußerlich als im Wesen. - Für die spezielle Beziehung des Geleitwortes im Kalender bitte ich um Erläuterung. - Nachfolge Volkelts akut. Werde sehr für Maier eintreten. Kann aber nicht leugnen, daß meine Wirkung hier jetzt im schönsten Aufblühen ist u. Zeitpunkt zu früh wäre, wenn nicht bis dahin Besonderes geschieht. - Wer m. Schriften gelesen hat, muß wissen, daß man verstehen kann, ohne erlebt zu haben, speziell Frauen*) [Kopf] *) <Wort unleserlich> Jugendheim rede ich über die Frau u. die Kraft des Verstehens. - Ich quäle mich jeden Tag sehr mit Büchersignieren im Stehen; habe aber schon die Hälfte des <Wortteil unleserlich>stalles. Innigsten Dank <re. Rand> u. viele herzl. Grüße Dein Ed.
[re. Rand S. 1] Was für ein geistvoller Nebel bei Scheler!