Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 13. Dezember 1920 (Berlin)


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<gedruckt: PÄDAGOGISCHES SEMINAR
DER UNIVERSITÄT BERLIN>
BERLIN NW. 7, DEN>
13.XII. <gedruckt: 19> 20.
<gedruckt: DOROTHEENSTR. 10.> 6.
Mein Liebes! Ich habe noch 10 Minuten vor Anfang des Proseminars. Da will ich Dir rasch einen Gruß senden. Du darfst aber nichts Vernünftiges erwarten. Vor allem danke ich Dir für den schönen weißen Kuchen, der mir sehr geholfen hat, Kaffeestunden (eigentlich -minuten) zu haben, ohne die Conditorei aufzusuchen. Wie fandest Du Walther? Und wie steht es mit der Operation von J. Wezel? - Heut früh traf ich Deinen Schwager in der O. Es geht gut zu Hause.
Der kl. Caecilie schenken wir wohl dann etwas, wenn sie Ende Dezember nach Hause kommt. Ob, weiß ich nicht. Anfrage bisher unbeantwortet. Für die Partenkirchner meinte ich nur Vorschläge, bis zu 20 M pro Person. Denn absenden muß ich es doch. Aber wann? Ich habe keine Minute verfügbar. Z. B. heut 9-1 ¼ Universität. 4-7 ½ Staatsexamen Markgrafenstr. Die ruhigen Sonnabende verschwinden auch. Der letzte war anstrengend durch Reise
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| nach Westend (Carl Körners Geburtstag) und Einladung zu Reuther 7-12 mit Abendbrot 9 ¼! Nachts nicht geschlafen. Sehr unangenehm wird mir der Neffe von Kerschensteiner, den ich neulich nach 3 Stunden Geschwätz nur durch Deutlichkeit entfernen konnte.
Der Druck streikt. Es war falsch, daß ich zu einem so kleinen Pintscher ging. Quelle, der mich neulich besuchte, ist doch eine andre Kapazität.
Außer einem Schnupfen bin ich gesundheitlich besser im stande. Aber das Semester ist zu anstrengend, wenn man es ernst nimmt. Dabei sagt jener "Neffe" erstaunt: "Sie präparieren sich??" Ich werde bis Mittwoch 22. lesen; dann erst am 6. anfangen. Am 10. soll eine Demonstration gegen den Versailler Frieden sein.
Zu Weihnachten wünsche ich mir eine Stange Packetsiegellack, und außerdem Deine Nachsicht für die Bescheidenheit meiner Sendung. Du schenkst mir das ganze Jahr immerzu etwas. Da brauchst Du zu Weihnachten wirklich nicht besonders nachzudenken.
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Um Lore sind wir in ernster Sorge. Im Vertrauen gesagt: es liegt ein Gemütsleiden vor. Und Du weißt, wie der Vater endete. Aus und über Reinhardtsdorf kommen merkwürdige Briefe. Man weiß immer nicht, wie viel man glauben solle.
Das Schicksal der Frau Hecht tut mir sehr leid. Im übrigen plane ich, im März ihr Kunde zu werden. Ich verliere die Zähne so anhaltend wie die Haare.
Ich muß jetzt hinüber, um anzufangen. Also sei mir sehr innig gegrüßt. Empfehlungen an Frau Weise.
Herzliche Grüße an Johanna Wezel.
Die Sachsen haben jetzt einen USP Kultusminister.
In täglichem Gedenken
Dein
Eduard.