Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 29. Dezember 1920 (Berlin, Postkarte)


[1]
|
29.XII.20.
M. L.! Ein sehr eigensächlicher Grund veranlaßt mich, in diesem Jahr doch noch einmal zu schreiben: fließt die billige Quelle für Foliobogen noch? Selbst wenn sie 20 Pf. kosten sollten, wäre es rentabel. Hingegen sind sie hier für 25 Pf. schon nicht zu haben, dann also nicht. Du siehst daraus, daß ich beim Schreiben bin; der Vorrat ist morgen zu Ende. Jeden Tag (d. h. bisher 2) habe ich 20 Quartseiten geschrieben ich stehe in der Mitte von IV, 2. Nur IV 3 ist dann noch schwer, während 4 und 5 leichte und kurze Ausklänge sind. Der Druck geht jetzt auch schneller. Bogen 4² kam heut. Gottlob, daß die Sache von der Seele kommt. Am 3. Feiertag habe ich außer den 20 Quartseiten 10 Briefe geschrieben. Gestern war ich mit Lore u. Susanne in Straußberg. 7° Wärme. Morgens Regen, dann durchdringende Sonne, oben alles blau, nur unten Nebelschicht. Z. T. wunderbare Bilder, aber so ein Nebel, daß wir über den See die Stadt nicht sahen. Wir sind 5 Stunden marschiert u. es ist mir glänzend bekommen; wie ich auch seit 14 Tagen sichtbar zunehme. Bei der Heimkehr fand ich Deinen lieben Brief. Kann man den Nachruf von Ernst für Ernst mal lesen? - Für Caeci bitte ich Dich
[2]
| etwas zu wählen. Fall Ruge steht auch hier in den Zeitungen; übler Kunde. - Frau Riehl geht es auffallend schlecht. - Von Kerschensteiner heut lieber Brief. M. Vater war bei mir. Mit Ludwig außer Verbindung. Morgen Frau Paulsen. Silvester still. 1.I. Harnack. 2.I. Stumpf. - Dann irgendwann Runge. Bekam noch von S. C. ein Kissen u. von Halfter Gebäck mit Weihnachtsversen, ist sehr glücklich, daß ich ihn auf Fröbel verwiesen. Mit Sparabsichten gehe ich ins neue Jahr. Dez kostet 4000. - Wenn Ihr Euch Silvester noch einmal unter dem Tannenbäumchen vereinigt, dann denkt an mich, wie ich an Dich und Euch denke. Schließe das alte Jahr gut u. beginne das neue mit fester Hoffnung. Stets <re. Rand> Dein Eduard.
[re. Rand S. 1] Aber die Eisenbahnpreise dürfen nicht noch einmal erhöht werden.