Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 28. April 1920 (Heidelberg)


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28.IV.20.
Einen Gruß mein geliebter Freund, muß ich der Sendung doch beilegen. Der Rest an Wäsche kommt noch nach. Es läßt mich garnicht los, daß Du unter so unfreundlichen Bedingungen in Berlin anfingst. Möchte doch das Übrige diese Eindrücke wieder ausgleichen!
Bücher u. Drucksachen, Briefe u. Papier ist alles, was Du hier gelassen hast. Alles zusammen wäre doch mehr als 2 x 5 kg, also lasse ich dies zunächstmal fortgehen. - Kuchen u. Plätzchen sollen Dir recht gut schmecken. Schon wegen der Nahrhaftigkeit sind die Hafermakronen zu empfehlen, in diesem besonderen Fall aber ist jede einzelne ein "Extragruß". Die Blechdose benutze, um Gebäck, das Du bekommst darin aufzuheben. Es hält sich frischer. –
Die Wiener Kinder sind fort. Ich habe dabei gestanden, aber nicht viel helfen
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| können. Es war ein rührender Abschied, Kinder u. "Mütter" weinten.
Jetzt will ich noch tüchtig schreiben, um meine Briefschulden vor dem 1. Mai möglichst abzutragen. Wenn ich nur meine Gedanken mehr darauf richten könnte! Sie drehen sich immerfort um Deinen Kummer. - Und die Näherei ist auch so dringend - man könnte sich "vierteilen"!! Denke an mich, u. laß Dich davon mahnen, Deine Zukunft vor der Wiederholung solcher hoffnungslosen Zwischenfälle zu bewahren. Du mußt sie unmöglich machen, denn es ist ein Unrecht gegen das Leben überhaupt, wenn das verbrauchte Alter die Kräfte der Jugend verzehrt u. lahmlegt. Sein naiver Egoismus wird das nie einsehen, aber sein unerschöpflicher Lebenswille wird sich auch in veränderter Lage behaupten. Daran zweifle ich nicht, trotzdem er jetzt das Gegenteil versichert. -
Mit innigen Wünschen für Dein Wohl, mein geliebter Eduard
Deine Käthe.