Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 28. Oktober 1920 (Heidelberg)


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Heidelberg. 28. Okt. 1920.
Mein einziger Freund,
vorhin habe ich den Brief für Dich auf die Post gebracht, u. nun muß ich doch rasch noch einen Gruß für das Packet schreiben. - Einen großen Schrecken hatte ich heut, da ich eine Vermögenszuwachssteuer von 1500 M bezahlen soll. Ich habe nun die Entdeckung gemacht, daß ich genau wie Aenne, die Erbschaftssumme von Tante Emilie, Kurt u. Tanting, die ich, meiner Meinung nach nur als Erläuterung für die Gesamtsumme angab, als Vermögen zugerechnet bekommen habe. - Daß Du solche Mühe mit der Aufstellung der Angaben hattest, tut mir ja einesteils sehr leid. Aber ein wenig Genugtuung ist mirs doch, da Du hier doch ziemlich erhaben tatest, als ich mich damit plagte. Bei den vielen kleinen Papieren, mit denen ich gesegnet bin, war die Kursberechnung eine recht mühsame Sache
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| u. mit dem Nießbrauch ist es erst recht verwickelt. Immerhin will man doch nicht mehr bezahlen, als irgend nötig, u. darum ists von einer gewissen Wichtigkeit. -
Wie hatten sich denn Deine Kleider bei der Aufbewahrung gehalten, waren sie nicht arg verdrückt? Und zwei von den Cartons waren Dein, der blaue u. ein brauner. –
Jetzt schicke ich Dir nun eine sehr starke Kaffeemischung u. 1 Sieb, sodaß Du nun keine Ausrede mehr hast. Denn Du mußt doch nicht denken, daß Du in der Conditorei reinen Kaffee bekommst! - Für was zu essen kannst Du gewiß auch sorgen. Ich habe, wenigstens doch hier für uns auch immer noch Brot des nachmittags gehabt.
- Die alte Kaffeemischung, bitte ich Dich, in der Kurfürstenstraße gelegentlich mal abzugeben. Ich hätte sie gern, da ich mir
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| nur selten Kaffee spendiere. Man schickt es mir dann von dort mal mit u. besonders hätte ich auch gern die Büchse.
- Was war denn auf dem Mietseinigungsamt? Ich freute mich so, daß Du in der Pestalozzistraße gute Eindrücke hattest. Möge es so bleiben u. möchte sich auch endlich ein brauchbarer Mieter finden.
Cigarren sollen im Preise zurückgehen. Es ist also wohl kaum ratsam, unnötig viel jetzt gerade zu kaufen. - Der blaue Schlips ist etwas länger, vielleicht kannst Du ihn so gebrauchen. Der rote den schenke ich Dir, der soll erinnern an roten Wein u. herbstliches Laub. Die einzelnen Strümpfe haben ihr Gegenstück bei denen in Berlin. Das Waschen hier ist so billig, daß es entschieden das Schicken lohnte. Jedenfalls aber für die zu flickenden Sachen.
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Für Hermann liegt ein zweiter blauer Schlips in dem Pappkästchen des andern Cartons, der noch kommt. Der kann ihm von der Pestalozz!! Kurfürstenstraße aus mal nachgeschickt werden.
Es waren nun allmälig so viel Sachen geworden, daß es in ein Packet nicht ging. Drum hat es so viel Umstände gemacht. Man hat jetzt nicht mehr so recht was zum Verpacken.
Und nun noch viel innige Grüße, mein liebes Herz, u. - lauter Liebe von
Deiner
Käthe.