Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 6. März 1921 (Berlin, Postkarte)


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6.III.21. M. L! Für Deine beiden lieben Briefe u. den Anteil an den Geburtstagsgenüssen schulde ich Dir noch Dank. Aber es soll heut kein Brief sein, sondern nur eine geschäftliche Mitteilung, die Dich hoffentlich nun frei v. Schmerzen u. Anfechtungen der letzten Art antreffen! - Ich habe die Vorträge in Fft. im Einverständnis mit dort wegen d. polit. Lage u. des schwachen Befindens abgesagt. Dennoch ist m. Plan - die geeignete polit. Entwickl. vorausgesetzt: Dienstag 15.III. früh Abreise hier - incognito Fkfft wegen J. Wezel u. Nußbaum.
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| ob Du auch hinkommst? Do früh Abreise nach Heid. Dort ev. die Nacht, falls für diese Zeit Aushilfefrau zu beschaffen. (Dies übhpt Bedingung m. Kommens) Freitag früh Stuttgart. Wir wollen beraten, ob wir zusammen fahren: es hängt wohl von dem Ziel ab, das wir für nachher wählen. Und darüber werde ich Dir Vorschläge [über der Zeile] ?!!? machen. Der Bodensee wird es wohl kaum sein. Schade, daß Du nicht bei Vetters wohnen kannst. Dann wäre es für Dich ratsamer. So würden wir in Stuttgart vor dem Sonnabend nicht viel [über der Zeile] gemeinsam haben, könnten aber dann doch gleich zusammen sein. Mir wäre es natürlich am liebsten, wenn Du gleich mitfahren könntest. Dies also mündlich. Genaues über m. Abreise v. hier melde ich noch. Ebenso kommt Packet mit mannigfachen, auch dem gewünschten Inhalt. - Vorlesungen mit großer Steigerung u. stärkster Wirkung Mi geschlossen. Freitag vor überfülltem Saal (über 450 Leute) 2 Stunden über Spengler, mit lieben alten Bekannten. Gestern starker, fast erlebnisartiger Eindruck v. Jugendgruppe (Pfadfinder) am Müggelsee, dicht v. d. Brücke, über die wir Anf. August vom Boot her gingen. Bis Abreise noch sehr viel zu tun. Morgen geht vorletztes Kapitel ab. Vorwort schreibe bei u. mit Dir. Meine Gedanken sind, besonders seit gestern, schon in einer neuen Welt, ganz wie beim Humboldt, in den ich dann die berühmte Widerrufstelle einfügte. Morgen früh Abschied von Böhmscher Schule mit Hospitation bei D. Th. u. Marg. Borries. Hoffentlich in 10 Tagen dies alles mündlich genauer. Ich freue mich unendlich. Grüße dort.
<re. Rand>
Innigst Dein Eduard.

[li. Rand] Wenn nicht zu mühsam, könntest Du ja Leo Vetter fragen. Ich sonst bei Banzhaf.
[Kopf] Dresdner Bank, Kurfürstendamm 238.