Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 16. April 1921 (Gegend von Jüterbog, Postkarte)


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Gegend Jüterbog, 16.IV 21.
10 Uhr.
M. L! Aus der imaginativ-ideell-transscendenten Zone (cf I,6) in die realistische versetzt u. nah vor den Toren Berlins. Die Fahrt war bequem, nahrhaft dank Deiner reichen Fürsorge und im Gespräch mit einem jungen Schwaben aus Wildbad ganz unterhaltend. Jetzt - im fast entleerten Wagen - melden sich auch einige Gedanken. Ob nicht der Sprung zwischen Unterrichtslehre u. Erziehungslehre durch die Gesichtspunkte in I 6 zu mildern sei? Saupe scheint darüber mehr zu wissen als der von ihm zitierte "menschenfreundlichste unsrer lebenden Philosophen u. Pädagogen." Aber m. Gedanken schweifen dann wieder ab und lassen sich im Hohlen Kästenbaum nieder, dessen Realitätsfindung bewiesen ist, wie die Berechtigung der 4 Zigarren, die ich in diesem
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| Nichtraucherabteil geraucht habe. Vor der Fensterpromenade in B. graut mir noch etwas. Morgen beginnt der Alltag nach 30 Sonntagen u. Sonnentagen. Ich gedenke Dein u. grüße Dich, den Herrn Vorstand, Herrn Dr. und Frl. Anna. Du kennst meine letztwillige Verfügung: Ausruhen! Eigentlich wollte ich hier eine Tafel hermalen. Nur das Rucken der Bahn hindert mich. Dein E.