Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 30. September 1921 (bei Probstzella, Postkarte)


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30.9.21. Bei Probstzella nachts ½ 3.
M. L! Es will nicht gehn mit dem Schlafen, der Zeitpunkt dazu müßte künstlich überwunden werden. Also will ich mich mit Dir unterhalten. Zunächst Grüße von Frau W., die mich auf der Veranda liegend empfing. Aussehen glänzend - leider trügerisch. Neuer Herd entdeckt. Denkt nächste Woche zu Onkel in Oberhausen zu reisen, der sie mit Röntgenstrahlen behandeln soll. Sah auch Mutter u. Tochter. Fast noch ergreifender war der Anblick
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| von Frau Wundt (von entzückender <mehrere Wörter unleserlich> Wundt) Liebenswürdige halbe Stunde bei Eucken. Dannenberg verfehlt. Bauchs schleppten mich abends zur Familie H, Heimkehr 18 Uhr, gut geschlafen. 8 Uhr aufgestanden. Stadt gebummelt, Werner Jaeger endlich getroffen (ohne Wohnung in Berlin). Herzliche Begegnung mit ehem. Schülerin Eva Menger, jetzt zum 2. Mal verheiratet. Vortrag von Ed. Schwartz. Vereinbarung mit Teubner. Walter Kranz, einer der besten, begleitet mich nach Haus, wo Wust mich 2mal vergeblich besuchte. Spielsachen für die Kinder. 2 Uhr Diner der "Spitzen" bei Praeses Götz. Sitze vis à vis von Wilamowitz, neben Ed. Meyer u. Sievers. Allgemeine Anerkennung m. Vortrages, Zustimmung von Diels. Bekanntschaft mit Unger u. Heusler. Überall lebhaftes Interesse für Lebensformen geweckt. Jetzt Bahn gebrochen. Einfluß wird entscheidend sein. 5 Uhr zu Haus. B. schleppt mich auf Berg. 7 Uhr todmüde packen, ¾ 8 Abendbrot. 10 Uhr weiter packen, Abmarsch in die Nacht mit B. (sehr liebes Haus) ½ 11-½ 1 Bahnhof solo. Guter Platz. Wahrscheinlich ½ 12 Partenkirchen. - Eben Heidelberger Ei verzehrt. Die Rosen aufgeblüht <li. Rand> begleiten mich weiter. Tausend liebe Gedanken auch. Aber kaput.
[Kopf] <Wort unleserlich> begeistert. Ob ich ev. nach Heidelberg ginge.
[Kopf S. 1] Päd. Sektion weiter.
[li. Rand S. 1] Keine Zeitung gesehen.