Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 10. Oktober 1921 (Partenkirchen)


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Part. 10.10.21.
Mein innig Geliebtes!
Das Schreiben wird mir noch sehr schwer. Daher nur das Wichtigste. Deine Sorge u. Fürsorge hat mich auch jetzt Tag für Tag geleitet. Ich kann Dir nur wenig erwidern. Lies zwischen den Zeilen, wie ich Dich hergesehnt u. vermißt habe. Denn alle 3 mit ihrer wirkl. treuen Pflege - Frau W, Schwester u. Fel, konnten ja nicht sein, was Du mir bist.
Herausgeholt haben wir die Sache durch Massieren u. Freiübungen heut vor 8 Tagen. Am Abend wußte ich schon, daß die Sache wieder los ging. Dann v. Arzt falsch behandelt: er ließ weiter massieren u. Bewegungen machen, was immer wieder reizte. Auf m. Veranlassung blieb es dann bei Föhn, Einreiben mit Dermasan u. Niedenthals Pulver. Seitdem Besserung. 4 Tage ganz gelegen. Keine Worte können Dir beschreiben, was hier für Sonne u. Wärme. Daher gestern gleich aus Bett auf Balkon. Auch heut solange hell draußen. Man wechselt sich ab u. ich bin am Tage selten allein. Aber so erleichternd stöhnen wie bei Dir durfte ich doch nicht. Es war wieder sehr schmerzhaft. Nächte sind noch jetzt - trotz 1000 Kissen -
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| qualvoll, weil keine Lage zu finden, in der 10 Minuten aushaltbar. Am besten im Sitzen. Jetzt ist der Arm ganz steif. Verlauf also viel links, hoffentlich ohne Rückfall. Rechne mit mindestens 14 Tagen hier bleiben. Erdrückende geschäftliche Post. Fel. als Sekretärin sehr langsam; muß viel selbst machen. Nimm daher mit kürzerem heut vorlieb. Beilagen orientieren.
Pestalozzistr. 9a Finanznöte. Und wenn Vorlesung fortfällt, heißt mit 5000 M weniger auskommen. Vermute hier hohe Behandlungskosten. Muß also schreiben. Teubner gibt für Rede pro Bogen 400 M.
Projekt der Wohnungsvermietung würde ich nur dann befürworten, wenn Kurfürstenstr. gesundes u. ruhiges Unterkommen. Nicht so ein Zwischenstecken u. Abjagen, Frieren u. Rücksichtnehmen. Ab Weihnachten studieren ist doch unmöglich. Also fragen, ob Leute zuverlässig. Scheibenurteil würde mir nicht genügen. Alle Bedingungen erfüllt, wär es mir natürlich herzliche Freude. Wann muß Entscheidung sein?
Befinden der Familie Knaps erweckt m. Teilnahme. Danke sehr für vorzügl. Winterrüben. Rose ersetzt
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| die bis heut aufbewahrten von der Abreise.
Hier heut Veteranenfest (= Kriegerfest) mit Böllern, Musik, Umzügen. Naive Politik, aber guter Kern.
Frau W., die grüßen läßt, hat in jedem der 3 Kinder eine Quelle von Sorgen u. getrübten Hoffnungen, ist aber im ganzen heiterer u. fester.
Mehr kann ich heut leider nicht. Hab innigen Dank für alles, mein Lieb, u. sei gewiß, daß keine Stunde vergeht ohne Gedanken an Dich u. Heidelberg und ohne das Glück unsrer Liebe.
Dein Eduard.

Bitte „allerseits“ zu grüßen.