Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 9. März 1921 (Heidelberg)


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Heidelberg. 9.III.21.
Mein lieber Liebling.
Auf eine Karte geht meine Weisheit nicht drauf, drum muß ich schon einen Bogen nehmen. Aber deshalb wirds noch lange kein Brief! Also: zunächst hoffen wir mal, daß eine Besetzung hier nicht stattfindet. Es scheint nicht so.
Dies vorausgesetzt, würdest Du also am 15. in Frankfurt sein. Da Du nur einen Tag dafür bestimmt u. allerlei vor hast, schiene es mir ja nicht sehr ratsam, wenn ich auch dafür kommen wollte. Freilich hätte ich gern, daß Du Anna Weise kennenlerntest u. da wäre Frl. Wezel wohl nicht gerade sehr vermittelnd; aber so gern ich Dich 2 Tage früher sehen würde, meine ich doch aus Vernunftsgründen verzichten zu sollen. - Daß Du die Vorträge absagtest, ist mir sehr lieb. Das wäre eine rechte Strapaze gewesen u. Johanna Wezel war nicht einmal sicher, ob Du bei den Lehrern,
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| die in Frankfurt ebenso gesonnen sind wie anderswo, nicht unangenehme Eindrücke haben würdest. - Wenn Du es also gern hättest, daß ich hinkomme, dann schreibe es mir. Ich verzichte nur aus "Vernunft". Sonst erwarte ich Dich also am 17. vormittags hier u. Du findest Deine Wohnung, Verpflegung, Monatsfrau u. - gute Gesellschaft wie sonst. Gerade als Deine Karte mit dem "Ultimatum" wegen der Bedienung kam, fand sich auch eine Frau ein, die sie übernehmen will.
Am 18. dann also Stuttgart. Seit gestern ist Elisabeth Vetter hier u. sie sagt, daß ohne Bestellung garkeine Rede sei, ein oder gar für zwei ein Zimmer zu finden. Ob wir nicht in Hedelfingen wohnen wollten? Die letzte Elektrische geht allerdings um 10.35 - ob Du dann schon genug von der Gesellschaft haben würdest? Leo würde sicher sehr erbaut sein u. die Bedienung ist da, wie immer. Was meinst Du, es wäre doch hübsch? Deine
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| Selbständigkeit wäre ja nicht beschränkt u. den Leo nähme ich auf mich. –
Und dann weiter. Wenn es nicht unser See sein soll, dann meine ich, wären wir am besten und schönsten hier aufgehoben. Nun weiß aber die Rösel Wendling durch Vermittlung eines Oberlehres in Constanz gutes Unterkommen mit bester Verpflegung in Meersburg, oder auch in einem Ort so ähnlich wie "Uldingen" - Was meinst Du dazu? Ich hätte eigentlich große Lust, leichtsinnig zu sein. Wer weiß, was sonst wieder für Hindernisse kommen u. was man nicht rasch ergreift, das ist verloren.
Ich sehne mich, von all dem Neuen zu hören, das Deine Seele erfüllt u. wo könnten wir es schöner besprechen, als am See? Weißt Du noch: den Weg von Meersburg nach Friedrichshafen? –
Wie ists eigentlich mit Deinem Besuch in Cöln? Brauchst Du dazu
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| nicht einen Ausweis fürs besetzte Gebiet? –
Aber es ist spät u. ich muß schlafen. Willst Du wohl so gut sein, wenn Du Susanne Conrad siehst, ihr zu sagen, daß ihr Vorschlag sehr gut paßt u. daß wir nur noch ihre genaue Anmeldung erwarten? - Und dann noch was. In Hedelfingen kann ich ohne Dich nicht wohnen wegen des Rückwegs abends nach dem Vortrag. Also entweder beide oder garnicht.
Nun also bitte: möglichst rasche Antwort 1. Anna Weise. 2. Hedelfingen. 3. Bodensee.!
Und sonst nur noch in ungeduldiger Vorfreude viel tausend innige Grüße von
Deiner
Käthe.