Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 5. August 1921 (Heidelberg, Kartenbrief)


Heidelberg. 5. August 1921.
Also auch mit dieser letzten Hoffnung ist es nichts, mein Lieb, u. nun möchte ich Dich sehr herzlich bitten: komm hierher. Im Seltenleer ist es prachtvoll kühl u. außerdem haben wir einen solchen Temperatursturz trotz herrlicher Sonne, (heute morgen 8 ½°) daß Du es hier nicht heißer hast, als dort in der Mark, wo Verpflegung u. Aufenthalt sehr problematisch sind u. außerdem wohl noch teuer u. - ob irgendwo Platz sein sollte, bezweifle ich. Man kann jetzt nicht mehr sagen: ich gehe da u. dahin, man muß lange vorher bestellen. - Lili Scheibe reist in wenigen Tagen ab, muß vor Schulanfang zu Hause sein u. möchte am liebsten schon Dienstag fahren. Du fändest sie also abends nicht mehr vor. Mit Bergbahnkarte u. allen sonstigen Fahrgelegenheiten wäre es hier doch für Dich kaum teurer als zu Haus u. Du kannst allein sein soviel Du willst, denn ich habe eine Menge Arbeit. Bei den Mahlzeiten u. sonst, wenns erwünscht wäre, hast Du dann liebe Gesellschaft! - Der Forstmeister hat seine 2 Zimmer bis Mitte Sept. besetzt u. empfiehlt auch als einzige Rettung das Krankenhaus!! - In Berlin darfst Du nicht bleiben, also faß einen Entschluß u. komm her. Es ist ganz gewiß in dieser Notlage das Beste, u. mich machst Du sehr glücklich damit. Außerdem wollen wir nicht aufhören etwas Besseres zu suchen von hier aus.
<Kopf>
Innig - Deine Käthe.