Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 22. Dezember 1921 (Heidelberg)


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Weihnachten 1921.
Heidelberg. 22. Dez.
Du mein geliebtes Herz.
In unserm armen papiernen Deutschland giebt es auch zu Weihnachten nichts als Papier, wirst Du denken, wenn Du mein Kistchen auspackst. Und noch dazu findest Du lauter Dinge, die Dir eigentlich schon gehören, an denen ich höchstens ein wenig von meiner "Kunstfertigkeit" anbrachte. Ich habe so garnichts Schönes diesmal u. bei allem sagt mein Gefühl: ich kann Dir ja nichts schenken, denn alles ist von Dir. - Zu einer sinnigeren Handarbeit als gestrickte Handschuhe hat die
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| Zeit nicht gereicht u. die notwendigen Materialien haben versagt. So habe Geduld, mein Lieb, wie Du sooft schon mit mir Geduld haben mußtest! - Und wenn Du jetzt die neuen Handschuh trägst, dann schicke mir schleunigst, ehe das hohe Porto kommt, die beiden alten Pare zum Flicken. Die bekommst Du dann nächstes Jahr auf neu zurück!! - Das Hafermehl u. den Kakao, dachte ich, solltest Du mischen, damit es doch etwas nahrhafter sei, was Du morgens genießt. Den Zucker kann Frl. Gutmann dazu liefern, da sie ja sonst garnichts zum Frühstück beiträgt. - Das eine Packet Kakao ist aber bessere Sorte, der ist zum Mischen zu schade.
Du wirst es fühlen, wie ich mit
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| meinem Herzen bei Dir bin, denn in diesen Tagen wirst Du doch ein wenig freier von Geschäften sein u. ungehinderter wird Dich bewegen, was an heiligem Gefühl von mir zu Dir - von Dir zu mir herüber flutet. Ich kann Dirs nicht schildern, wie dies Gefühl mein ganzes Leben trägt u. erfüllt. In der Dunkelheit dieser grausamen Welt bin ich wie geborgen in der Gewißheit unsrer Liebe u. ich bin so reich u. selig in dem, was mir das Leben bis heute schenkte, daß ich nichts mehr vom Schicksal zu fordern habe. Nur das Eine flehe ich vom Geschick, daß Du gesund bleibst u. daß Dein Wirken zu voller, reicher Vollendung komme. Wie seltsam ahnunsvoll war doch das kleine Ex libris, das ich jetzt
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| wiederfand u. Dir in Dein Buch klebte. Es war mir ganz fremd u. neu geworden u. ich freute mich daran. - Du wirst gewiß viele Zeichen der Verehrung in diesen Tagen erhalten. Möchten auch sichtbare Spuren davon dabei sein, daß die Saat, die Du ausstreust, fruchtbaren Boden findet. –
Im Weihnachtsbrief hoffe ich zu hören, was Du für die Festtage vorhast. Hoffentlich ist Frau Riehl nun entschieden in der Besserung. Ob Susanne in Berlin blieb?
Grüße von den Freunden alle, die ich kenne. Der kleinen Cäci schickte ich die Federhaltertasche [über der Zeile] dunkelbraunes Leder, sehr fein u. hübsch, mit Inhalt von mir: Halter, Bleistift, Lineal, Messer, Gummi, Federhülse, alles in braun u. gelb. Ich fands bildhübsch. Ein Schal wäre zu teuer gewesen. - Für Aenne nehme ich Blumen, die sie sich wünscht.
<li. Rand S. 1> Laß die Weihnachtslichter Dir reden von Liebe u. unvergänglichem Glück u. sei in Innigkeit gegrüßt u. geküßt von Deiner Käthe.