Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 24. Dezember 1921 (Heidelberg)


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Heidelberg, Weihnachten 1921.
Mein geliebtes Herz.
Wie gern würde ich Dir eine recht große Weihnachtsfreude machen, aber in meinem armseligen Packetchen ist garnichts, was mir der Mühe wert scheint. Dein Werk, mein Lieb, hätte ich des Inhalts würdig so recht meisterhaft einbinden mögen; aber Du siehst, es blieb "elende Lehrlingsarbeit." Dafür habe ich es auch ganz u. gar allein gemacht bis auf das Schneiden mit der Maschine. Und das grüne Kränzlein, das soll Dir auch extra Liebes sagen, mit dem feinen Tannenreis vom Gaisberg u. den goldenen kleinen Früchten! Weißt Du, was das ist? Oben die krausen sind Früchte der Ulmen aus dem Berliner Tiergarten, zu diesem Zweck schon damals gesammelt, wenn ich mit den Lütten zum "Onkel Fontane" ging. Und drunter an den roten Fädchen, das sind die Bucheln, die an dem Partenkirchener Bäumchen hingen, u. die Du so brav u. geduldig alle abgeknüpft hast. Ich denke daran, wie ich mit dem Tantchen damals den kleinen Baum für Dich schmückte - in unendlicher Liebe damals wie heut u. in Ewigkeit. - Die gelben Lichter im Kästchen mußt Du in die Halter schieben, lege sie aber vorher in die Nähe des Ofens - (aber nicht zu nahe), daß sie nicht zu spröde sind. Und dann hänge das Kränzlein an Deine Hängelampe u. stecke es an. Wann wird das sein? Aenne hat vor, unsre kleine Bescherung schon am 23. zu machen, da wir ja am 24. nach Ludwigshafen sollen. - Mein Wunsch für
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| Dich zum Fest ist vor allem, daß es Frau Riehl besser gehen möchte. Denn sonst bist Du doch in steter Sorge. - Noch allerlei Nützlichkeiten schicke ich mit: Briefpapier, Lanolinseife (die in Zukunft 8 M 50 kosten wird!) den üblichen Kalender, der aber noch einen besseren Hintergrund bekommen soll. Mein "mikroskopischer Fleiß" ließ mich nur nicht fertig werden. Und ob der Pelzkragen paßt? Denke Dir, er ist aus dem Muff Deiner lieben Mutter, den Du mir vor vielen Jahren einmal schenktest. Schon in Cassel fragte ich den Kürschner, ob man nicht einen Kragen daraus machen könne. Er wollte aber nicht. Nun sind in diesem Sommer, der besonders mottenreich war, während meiner langen Abwesenheit diese bösen Tiere recht gefräßig in meinen Sachen gewesen u. auch an diesen Pelz gegangen. Das gab mir den Mut, selbst mein Heil daran zu versuchen u. nun versuche Du es mit dem Tragen u. fühle, wie der Segen Deiner Mutter u. meine Liebe Dich warm umhüllen. Es ist kein Prunkstück u. Du brauchst nicht ängstlich damit zu sein, falls es verloren ginge. - Das Beste, das hast Du ja schon dort! Nicht wahr, das ist ein guter Gedanke gewesen mit dem Portwein? Der ist natürlich nicht für Gäste, sondern den stellst Du in Deinen Schreibtisch unten u. wenn Du mal wieder solch schwachen Puls hast oder Dich marode fühlst, dann trinkst Du davon - auf mein Wohl! Denn es ist ja doch für mich, wenn Du für Dich sorgst.
Die Päckchen mit entsprechender Aufschrift bitte ich Dich, in der Kurfürstenstraße abzugeben. Vielleicht zu Ostern?!!
Du mein Lieb, ich hoffe Dir noch einen richtigen Weihnachtsbrief zu schreiben. Heute muß das Packet fort u. so packe ich nur noch ein ganzes Herz voll Liebe mit hinein.
Immer Deine Käthe