Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 9. Januar 1922 (Berlin, Postkarte)


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9.I.22. M. L! Deine beiden l. Briefe habe ich. Der erste hat mich besorgt gemacht wegen Deiner Grippe. Du gehst damit nie vorsichtig um und strengst Dich überhaupt zu sehr an. Deine Tätigkeit bei dem Felljuden gehört nach Deiner Bemerkung auch zu dem, was mich beunruhigt u. mir wenig gefällt. Ich kann heut nur kurz schreiben. Es ist so vielerlei zu tun, daß ich manchmal den Faden verliere. Silvester u. 1. I. arbeitete ich die Rede über d. Gymnasium aus, die nun an den Verleger abgegangen ist. Ob der Neujahrsartikel übhpt in irgend einer Zeitung erschienen ist, ist mir zweifelhaft. Ich geb ihn in eine Korrespondenz. Ludwig habe ich besucht u. hatte Freude an dem jüngeren Patchen. In d. Kurf.str. hatte ich auszusetzen: Großmama ist in der Küche u. läßt durch Lili sagen, sie müßte sich erst anziehen. Darauf bitte ich Lili, ihr zu sagen, sie müßte nicht
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| kommen, ich käme bald wieder. Lili: "Nein" Mama: "Inge, dann geh Du". Effekt: niemand geht, nur ich. - Bei Riehls ist alles wieder in Ordnung, aber sie sehr mitgenommen. Er schenkte mir Bismarck Bd 3. (Kaufen sollst Du Dir den Schüßler nicht.) Unser Ausflug war ungewöhnlich schön; aber beinahe wären wir wegen d. Eisenbahnstreiks nicht nach Hause gekommen. Und die Fahrpreise! Über Frühjahrspläne demnächst. Unerträglich werden mir die Wohnverhältnisse. Aber außer Steigerung - zunächst in d. Pestalozzistr. - hat sich nichts geändert. Versuche jetzt direkt Annonce. - Deine Briefe wurden gleich am 1. I. alle besorgt. Handschuhe hebe ich auf. Habe viel Klavier gespielt, bei Riehls u. Susanne. Freue mich über Georg Weise, traure über Fall Malcus. Sonnabend 3 - 10 ½ Fröbelverband. Um den Zusammenbruch zu verhindern, habe ich bis 1. Mai Vorsitz übernommen. Auch das noch! Joh. Wezel aus diesem Anlaß hier, ohne Mißton, aber ganz auschließlich mit sich u. Ihren Sachen beschäftigt. Von Felizitas bis heut keine Antwort auf Geburtstagsgeschenk zum 21.XII. - Überraschung: eine Karte von Rickert, allerdings mit 1,60 M Strafporto. - Mittwoch Vortrag in der Schleiermacherhochschule über Religiosität d. Jugendlichen. Sonnabend Referat im Wohlfahrtsminister. 21.I. Hochzeit Lubowski. Lebensformen noch nicht bearbeitet. Jugendpsychol. noch nicht angefangen. - Hier Tauwetter. Alle Leute ohne Stimmung. Hoffentlich dort bei starkem Schnee keine neue Erkältung. Sie vorsichtig, m. L. Ich trinke täglich Schnaps. Danke unsrer Freundin für ihr Neujahrsgedenken. Ich grüße sie vielmals. Und Dich sehr innig stets Dein Eduard.
[Kopf] Wenig Neujahrbriefe, viel Ausgaben. / Päd. Akademie in Vorberei<li. Rand>tung.