Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 11. Februar 1922 (Berlin, Postkarte)


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11.II.22. M. L! Wieder einmal war jede Verbindung äußerlich durchschnitten. Ich hoffe, daß Du von den Mißständen dieser Tage nicht betroffen worden bist und die Kälte, die außerdem noch auf uns lastete, gut abwehren konntest. Ob hier nun alles wieder in Ordnung kommt, ist im Augenblick noch zweifelhaft. Ich habe, abgesehen v. geschäftlichen Störungen u. abgesehen vom Frieren (ich heize schon seit 10 Tagen Holz, da keine Kohle da) nichts besonderes zu leiden gehabt. Vom 29. - 31. habe ich zu Bett gelegen, Halsentzündung mit 38,5 anfangend, aber keine Grippe. Habe mich dann schnell u. völlig erholt. Am 31. mußte ich Vorles., am 1. einen kl. Vortrag am 2. die Sprechstunde u. Sitzung versäumen. Am. 3. tat ich wieder Dienst. Am 4. ging schon abends keine Elektrische mehr.
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| Zu Hause hatte ich immer Petrol, im Seminar Kerze. Am 7. mußte wegen Lichtmangel Seminar ausfallen. Am 8. kam ich mit Untergrund bis Steglitz, wo ich Frau Paulsen kurz besuchte (altert sichtlich) u. dann meinen Vortrag über "Den Sinn der Jugendbewegung" hielt. Am 9. hatte ich die erbetene Audienz beim neuen Minister, an der der Staatssekr. Becker, 2 Ministerialdirektoren u. 3 Geheimräte teilnahmen. Die Päd. Akademie fand unter dem Namen "Studiengemeinschaft für wiss. Päd." die erbetene Förderung, hoffentlich auch schnelle, u. alle m. sonstigen Anregungen wurden aufgenommen. Ich hoffe nur auf produktive Arbeit u. Aufschwung d. Päd. Im Augenbl. arbeite ich den Teil für die 3. Aufl. um. Wenn Du viel Zeit hast, mach doch die Figur neu, etwas breiter. Es ist aber noch nicht sicher, daß ich sie aufnehme. Überhaupt: viel u. vielerlei zu tun. M. Vater, der eben hier war, hat an unangenehmer Stelle Karbunkel größter Sorte gehabt u. ist durch Änderung sr. Gewohnheiten etwas mitgenommen. Die Grolmanstr. ist erledigt. Ich sollte Tante Grete u. die 1. Mieterin behalten, auch d. Mädchen, meinerseits aber Wirtschafterin stellen, d. h. 10000 M jährlich mehr. Dr. E. hat dann in Erkenntnis d. Aussichtslosigkeit auch 2. Unterredung abtelephoniert, da ich sie ihm wegen Krankheit abschrieb. - Am unangenehmsten empfinde ich die strenge Kälte. Habe viel den Pelzkragen getragen, der aber leider in ½ Tag Kragen schwarz macht. Frau Riehl immer noch leidend. Habil. Heyse wenig aussichtsreich. Sonst nichts Neues. Freue mich in jeder Hinsicht auf den Frühling. Muß maßlos viel lesen, immer unangenehm. Ich hoffe doch bald von Dir zu hören. Sei froh, daß Du nicht in Berlin warst. Ich hatte nicht gedacht, daß wir immer noch weiter zerfallen würden. Die Symptome sind sehr schlimm. Erinnere Dich <Kopf> an m. Aufsatz aus der Voß Januar 1919. Unsrer Freundin u. Dir <re. Rand> innigste Grüße Dein Eduard.
[Kopf, S.1] Könntest Du nicht Hammer an d. Liquidation erinnern?