Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 21. März 1922 (Berlin, Postkarte)


21.III.22. M.L! Ich bin in einer etwas schwierigen Lage. Mein Vater fühlt sich seit einigen Tagen nicht wohl; er hielt es für Magenverstimmung. Ich war eben da gleichzeitig mit Benary, der mir nach der Untersuch. heimlich sagte: Es ist die Leber, augenblicklich ganz harmlos. Sie können ruhig reisen. Ob noch etwas Schlimmes nachkommt, kann ich natürl. nicht sagen. Aber zu machen ist dann doch nichts." Ich habe mich jedenfalls verabschiedet. Denn bliebe ich da, so wäre dies verdächtig u. könnte auch verschlimmernd wirken. Meinem Vater ist es diesmal sehr unlieb, daß ich reise; zum Unglück hat auch noch die Schelck einen Lungenspitzenkatarrh. Wenn morgen Abend keine ungünstige Nachricht einläuft, fahre ich Do früh u. zwar gleich mit dem Schnellzug durch, nicht anders. Komme ich damit nicht, dann liegt hier etwas vor. Ich schreibe dies, um das unsichere u. teure Telegraphieren zu vermeiden. Hoffentlich gönnt uns das Schicksal diesen Frühling. In Liebe u. Treue Dein Eduard. Ich war auch wieder 1 Tag krank u. bin sehr ruhebedürftig.