Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 22. Mai 1922 (Berlin, Postkarte)


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22.V.22. M. L! Dein gewaltiges Paket kam noch vor Deinem lieben Brief an. Welch ungeheure Mühe hast Du Dir wieder gemacht! Die Maiglöckchen stehen wunderschön vor mir. Den Kuchen will ich eben probieren. Besonders willkommen waren die Träger. Für Portwein u. Schloßbiskuits danke ich im Auftr. m. Vaters herzlich, und ich selbst weiß nicht, wie ich Dir für all die liebevolle Sorgfalt, Mühe u. praktische Hilfe, besonders mit der Wäsche, danken soll. Meine Gegensendung, zu der ich hoffentlich bald Zeit finde, wird sehr bescheiden ausfallen. - Hier keine Veränderung. Meinem
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| Vater geht es langsam, aber doch täglich weniger gut. Ich bin alle 2-3 Tage da; an Frl. Sch. habe ich wenig Freude. - Die Schmerzen nehmen zu, ebenso die Entkräftung. Das Aussehen ist sehr ungünstig. Dafür ist die Natur jetzt sehr schön. Ich gehe, wenn ich vorm. kein Kolleg habe, möglichst ¾ Std. in den Tiergarten. Die Deinigen habe ich aber dort noch nie getroffen. - Über Hermann weiß ich nicht mehr, als ich damals schrieb. Schoenichen wollte mir eine Personalbeschreibung geben, da er nicht wußte, daß wir befreundet sind. Ich brach ab, damit er nicht in Verlegenheit käme. Kann ja aber noch einmal fragen. - Es ist richtig, daß etwa 4 Seiten aus "Vivos voco" existiert haben, belanglos, habe es auch kaum noch; suche doch nicht danach. - Über die Ausdehnung Deiner Berufstätigkeit freue ich mich. Hoffentlich sind es nicht zu anstrengende Sachen für Deine Augen. - Letzten Dienstag war der anstrengenste Tag (½ 9 - 10.); Vorsitz im Fröbelverband (einschl. Klostermann) ½ 6 - ¾ 10 ohne Pause. Sonst läßt sich alles gut in der Zeit unterbringen, u. ich bin zufrieden. Auch der Arm ist seit H. entschieden besser. Gestern war ich bei Harnacks (mit 50 Mann, einschl. Gertrud Scholz - v. Müller.) Sonst kannst Du Dir ja denken, daß über dem Ganzen ein Druck liegt. Vielen innigen Dank einstweilen u. tausend <Kopf> Grüße. Ich beneide Euch um die Wege. Grüße alle, auch <li. Rand> Frau Weltz. Herzlichst immer Dein Eduard.