Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 23. Mai 1922 (Berlin, Postkarte)


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23.5.22. M.L! Soeben habe ich m. Vater in das Elisabeth-Krankenhaus in der Lützowstr. gebracht. Der Zustand als solcher hätte dies wohl noch nicht nötig gemacht. Aber die völlige Pflichtvergessenheit von Frl. Sch. stellte mich vor die Alternative: Pflegerin oder Krankenhaus. Die Kosten wären die gleichen; das letztere erschien mir das Sichere. Ob es das Richtige war, wird sich erst herausstellen; denn m. Vater muß das Zimmer II. Kl. mit 3 anderen teilen.
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| NB. für täglich 100 M ohne Behandlung u. Medikamente.) Wenn es wieder so wird, wie damals in der Joachimsthalerstr., dann kann ich nicht einfach wieder vorfahren u. abholen. Andererseits wurde mir von einer Schwester "höheren Ranges" eine Rede gehalten, aus der ich entnahm, daß man sehr alte Patienten in der II. KL. nicht liebt, aber doch hofft, "ihn behalten zu können." Ben. andererseits meinte heut (im Gegensatz zu neulich), es könnte lange dauern. - Das steht in höherer Hand. - Beschließen muß ich aber noch über die Pestalozzistr., von wo ich eigentlich Wertvolles heut noch abhole. Sicher ist, daß Frl. Sch. (die Ihrer Gesundheit wegen täglich bis über die Abendbrotzeit hinaus Spaziergänge machen mußte!) zum 1.VII. gekündigt wird. Ob ich sie solange drinlasse, ist aber noch fraglich. Ich plane, einen bedürftigen stud. theol, der sich alles selbst besorgt, für Juni - Juli hineinzunehmen. Gratis, damit meine schweren Ausgaben doch jemand zugute kommen. Wird die Wohnung noch einmal gebraucht, so muß er sich auf das Berliner Zimmer zurückziehen. Und er ist doch eine lebendige, vielleicht (?) sogar <Kopf> hilfreiche Seele. Innigste Grüße Dein Eduard.