Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 2. Juli 1922 (Berlin, Postkarte)


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2.7.22.  Mein L! Es reicht auch heute nicht zu einem Brief. Diese Karte mit ihrem interlinearen Inhalt soll Dich herzlich in H. begrüßen u. Dir für Deine Reiseschilderung danken, zugleich – vor dem kritischen Dienstag – einige Tatsachen mitteilen. Der 27. war eine Hetzjagd, brachte aber viel Blumen, Briefe u. schöne Geschenke außer dem Platzregen. Du warst für mich noch hier – während man in H. Herrn Lenard verprügelte. Die ganzen Tage schwebte Shepherd über mir. Am Donnerstag besuchte ich ihn bei strömendem Regen in Wannsee vergeblich, dafür fiel er 3.10 in
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| meinen Kaffeetopp. Ein lieber Mann. Er fuhr mich im Auto mit Heinr. Braun zum Kolleg. Am Freitag verlief die Rede nach Wunsch aller Beteiligten. Amerikan. Botschafter war da, starker Besuch. Allgemeine Herzlichkeit. Zum Schluß wurden wir einzeln u. zusammen von vorn u. von hinten photographiert – für Amerika; denn Berlin hat man durch geschickte Streikorgie aller bürgerlichen Zeitungen beraubt. M. E. eine unkluge Taktik von links. Dieser Ansicht waren rechts- wie linksstehende auch gestern beim Shepherdtee im Kultusministerium. Das Shepherdbier beim Staatssekretär a.D. Allert habe ich dankend abgelehnt. Ich mußte in diesen Tagen 4 Notgemeinschaftssachen u. 4 Staatsarbeiten erledigen. Morgen 3–10 Staatsexamina in Lichterfelde. U.s.w. Verzeih daher die Kürze. Gestern war ich – angemeldet – um 12 in der Rankestr. Tante K. war abgereist. Dies Verfahren sieht nach Blutwurst aus. Näheres habe ich nicht gehört. Was macht Dr. Gans? u. Dr. Berenbach? Beherzigst Du meine Lebensregeln? Sobald es <Kopf> geht, mehr. Ich bin in Liebe u. Treue u. dankerfüllt im Andenken an die 3 Wochen
Dein Ed.

[] Was macht der Hals?