Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 2. Oktober 1922 (Villa Sust, Postkarte)


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Villa Sust, 2. Oktober 22. M. L! Aus diesem erinnerungsreichen Ort wenigstens einen kurzen Gruß und Bericht. Ich blieb in Frkft im Zug bis Gießen 3.05, erreichte dort den Personenzug bis Cassel 3.42. In Guntershausen mußten wir warten, um den Münchner Dzug durchzulassen. Dadurch kam ich mit 20 Min. Verspätung in Wilh. an. Dein Auskunfts<-unleserlich>.
Als ich hier ins Haus trat, kamen unmittelbar hinter mir Ziertmann mit Frau - und Kerschensteiner. Am Abendtisch <mehrere Worte unleserlich> u. bei einer halben Fl. Dürkheimer waren
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| wir recht munter. Heut morgen ging ich, um, im Vorderraum K. u. L. nicht zu hören, ganz allein bei Regen durch den Park zur 1 und war um 10 im Rg. Besuch stark (wahrsch. 700), Aufmerksamkeit durchaus gut, über Wirkung kann ich heut noch nichts sagen, zumal m. 3 Hausgenossen schweigen. Unter den Hörern war auch der liebe Onkel, mit dem ich leider noch nichts Festes vereinbaren konnte, und das I, ging wie sonst, d. h. fürchterlich u. lebensgefährlich. Das Wetter ist leider sehr schlecht. Heut Nachm. bei Bär zum Kaffee mit K. Heut Abend (verlegt). Gertr. B. haben wir beschlossen (aus Tendenz) zu schwänzen. - Ich bin, wie Du Dir denken kannst, nur halb hier, oder vielmehr, da ich die Umstellung noch garnicht mitgemacht habe, eigentlich überhaupt nicht. Mittwoch reisen m. Amtsbrüder (mit K. u. L. ist es nett). Den Rest des Tages werde ich - hoffe ich - allein sein u. hier herumziehen können. Zu einem Brief ist hier natürlich keine Ruhe. Daher nimm vorlieb. Ich grüße das ganze Haus, vor allem natürlich Dich u. die - Rosa.