Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 16. Oktober 1922 (Berlin, Postkarte)


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16.X.22. M. L! Vermutlich die letzte Nachricht vom Kurfürstendamm. Ich habe Deinen lieben Brief u. danke Dir innig; habe Dich auf allen Wegen begleitet. In der vorigen Woche habe ich noch wissenschaftslos gelebt. Am Mittwoch war ich auf schönen Umwegen durch den Babelsberger Park bei Riehls, die immer noch kein Mädchen haben u. leider ganz so existieren, wie m. Prognose war. Sie sind wenigstens im ganzen gesund, Lore besonders am Munde. Die Malerarbeiten sind schnell fortgeschritten. In das große Loch in der Balkonstube haben wir - den Spültisch gesteckt. Frau E. u. ihre Hilfe sehr tüchtig. Die Erbensache habe ich an m. Vetter abgegeben. Freitag, Sonnab. u. Sonntag waren Sitzungen d. Fröbelverbandes ganz von
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| dem üblichen Kaliber, zum Auswachsen. Gestern endlich habe ich die Führung übernommen, zugleich aber m. Meinung ganz unverhüllt gesagt: Unfähig, besonders das Präsidium. Heut habe ich den Jugendleiterinnenkursus eröffnet, glücklich 12 Leute; bei mir aber waren gegen 60, u. die 2 Stunden wirkten sehr stark. Joh. Wezel habe ich nur beim Nachhausegehen 3 mal kurz gesprochen. Sie hat "Kohlenverstimmung" mit Weises. - Heut Nachm. kommen die Kisten. Hinsichtl. des Spediteurs haben auch Ew. Hochwohlgeboren ausnahmsweise nicht gut beraten. Knauer wäre der billigste gewesen (5700). Ich habe nun mit Tücking (6000) abgeschlossen. Gardinenwagen. 20 Kisten. Heut u. morgen packe ich ohne Packer (½ Tag 700) mit Susanne. Am Mittwoch um 8 wird gezogen. Ich bleibe aber des Nachts wohl bis Sonnabend hier, um in geordnete Verhältnisse zu kommen. Der Teppich ist absolut verbraucht. Soll ich nun Deinen an mich reißen? Oder willst Du mir raten, welches genre ich kaufen soll. (Flucht vor der Mark!) Es könnte natürlich nur ein einfacher sein. Ich habe vergessen zu erzählen, daß ich letzten Sonntag mit Sus. in Birkenwerder - Liegnitzsee - Bernau war. 6½ Std. Weg. Herrliche Farben. Gestern war ich bei Heinrich Scholz u. sah auch den Vater. Wie es mit der Vorles. über Ethik werden soll, ist mir dunkel. Geht nur, wenn ich den Arbeitstag um 1 Stunde verlängere. - Der Rousseau ist nun erschienen. Volksbildung rezensiert. Titelbogen d. Aufsätze geschrieben. Ich sehe den kommenden Dingen mit Mut entgegen, zumal ein <Kopf> Mann v. Wohnungsamt alles in Ordnung fand. Für mehr ist heut <li. Rand> kein Raum u. keine Ruhe. Eben war die Wanderseele hier. Eigentlich ein sympath. Mensch. <re. Rand> An den Weintrauben an Liebe u. Gedanken sehr schön. Sonst für hier ein zu zeitraubendes Essen.