Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, Juni 1922


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Mein geliebtes Herz, hoffentlich hat Dir die Nacht ein gutes Ausruhen gebracht! Mich hat die Qual, Dir so garnicht helfen zu können nicht verlassen. Du schriebst mir neulich von den Worten im Evangelium Johannis - laß uns in jenem Geiste frei bleiben von Verbitterung, laß unsre Welt nicht berühren von der Armseligkeit, die um uns ist. Deine liebe Seele darf sich nicht verhärten im Kampfe mit einer unveränderlichen Vergangenheit. Es hat sich ja alles in dir zum Guten vollendet. Du hast die reine Güte Deiner feinfühligen Mutter, Du hast die Energie deines Vaters u. die Unberechenbarkeit seiner leichtbeweglichen Natur hat sich in Dir zu wundervoller Genialität erhoben. Sieh - das ist dein Erbe u. das andre
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| laß dahinten. -
Da ich keine Gelegenheit habe, Dich zu sehen, möchte ich Dir noch 2 Fragen vorlegen, auf die Du mir wohl telephonisch oder wie sonst antwortest. Das eine betrifft den Taxator, den ich gern bestellen würde, wenn Du mir die Adresse angibst, u. das andre die Wohnung Pestal. Str. - Frau Riehl meinte nämlich, es würde viel schwieriger sein, die Möbel zu reinigen, wenn sich alles so lange einnistet. Ich weiß nicht, ob sie darin recht hat. Ich wollte Dirs nur auf alle Fälle mitteilen.
Sei mir innig gegrüßt, mein Lieb, u. sorge für Dich. vor allem auch für Deine genügende Ernährung.
Deine Käthe.

[Kopf] Vormittags werde ich mit der Frau aufräumen, u. am Nachmittage will ich beginnen, ein Verzeichnis zu machen.