Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 18. Januar 1923 (Berlin NW. 7/Dorotheenstr. 6, Postkarte)


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<gedruckt: Berlin NW. 7, den> 18.I. <gedruckt: 19>23.
<gedruckt: Dorotheenstr. 10.> 6.
<Karte ausgeschnitten> 5 Minuten Zeit zum Schreiben habe, <Karte ausgeschnitten> dies mitteilen, daß ich die ehrenvolle Auf- <Karte ausgeschnitten> hatte, trotz ihrer besonderen Schwere würdig durchgeführt zu haben glaube. Es waren wohl 3000 Hörer. Ich befand mich in sehr gutem physischen Zustand u. - trotz chronischen Bronchialkatarrhs - so gut bei Stimme, daß ich noch lauter u. noch mehr als die 50 Min. hätte reden können. Oft wurde ich von Beifall unterbrochen. Daß ich vielen etwas gegeben habe, glaube ich aus dem Verhalten der Kollegen unmittelbar nachher entnehmen zu können. Viele drückten mir schweigend mit feuchtem Auge die Hand, besonders die Juristen. Ein mir unvergeßlich, u. ein wohlgelungener Tag. Nun aber muß ich sofort nach NB. Denn Riehl ist auf der Treppe im Hause gestürzt, u. ich weiß noch garnicht, was das eigentlich ist. Natürlich voll Sorge. - Unser Dekan
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| Troeltsch ist schwer erkrankt. Herz (wohl Überanstrengung.) - Am Mittwoch nächster Woche habe ich die Rede auf einem Parlamento. Abends beim Minister. (Jugendbewegung.) - Der allg. Geist hier in Berlin ist unendlich viel besser geworden. Abenteuerliche Reden zeigen, was die Volksseele wünscht. Es sind zum 1. Mal seit 1914/6 wieder Tage, deren ein Deutscher stolz sein darf.
Ich grüße Dich innig bis zum Brief, der bald folgen soll.
Dein
Eduard.