Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 8. Mai 1923 (Berlin)


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<laut Notiz von fremder Hand vom 8.5.23; der 8. ist auf dem Poststempel zu erkennen>
M. L! Ich hoffe, daß Du glücklich in C. angekommen bist u. den Onkel im Zustande der Besserung angetroffen hast. Mögen auch die Bilder in Hofgeismar nicht zu traurig sein! Gedenke unsrer gemeinsamen Stätten, wenn Dir auch nicht viel Zeit bleiben wird. Ich erwarte den Freitag mit Ungeduld. Allerdings sieht es mit dem Abholen nicht sehr günstig aus. Ich habe um 10 einen auswärtigen Besuch, um 12 Sitz. der Staatswissenschaftler in der Universität, 5–7 Vorlesung u. 7–½ 9 Diskussion. Eigentlich danach noch eine Versammlung, zu der ich aber zu müde sein werde. Für den Notfall hat Susanne sich erboten, Dich abzuholen. Ich werde aber bei Ruges fragen, ob Frl. Hanna frei ist. Kann ich nicht kommen, was mir sehr leid täte, so schlage ich vor, daß ich Dich am Sonnabend um ½ 10 in der Kurfürstenstr. abhole, u. daß wir zusammen nach der Univ. gehen, wo ich vermutlich gleich über Mittag bleibe. – In den letzten Tagen habe ich es zuwege gebracht, den Heimatkundevortrag auszuarbeiten. Ich habe dabei konstatiert, daß ich eine starke Entwicklung durchgemacht habe – man merkt das ja immer erst im Resultat – u. daß ich jetzt ungefähr da bin, wo ich Du 1903 standest. Du wirst ja – lesen.  – Eine Bitte, wenn es ohne Mühe geht:
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| In Hofgeismar lebt ein früherer Schüler von mir als Schuldirektor, ich glaube Wedemeyer. Wedemeyer oder so ähnlich. Der hat neulich an mich geschrieben u. wegen Besorgung von 11 Ex. Lebensformen gefragt. Ich habe s. Brief sofort an Niemeyer geschickt, weiß aber nicht, was darauf geschehen ist. Solltest Du ihn sehen, er ist mit Malcus' bekannt, so frage doch danach u. sage, daß ich veranlaßt hätte, was ich tun konnte. Bitte grüße den Onkel u. s. Familie, Frl. Schwidtal u. alle gemeinsamen Bekannten. Ich habe die neue Wohnung (im Nebenhaus freilich) gesehen. Na ja, es wird ungeheuer <re. Rand> zu tun geben. Wo bleibt Frau Vetter künftig? Nicht zu viel schleppen!!
<li. Rand>
Herzlichst u. in großer Vorfreude
Dein Eduard.