Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 24. Oktober 1923 (Berlin)


24.X.23.
Mein Liebes! Ich schreibe heut nur wegen der Einlage (10 Millde.) Viel Neues ist sonst nicht zu berichten, wenn ich nicht auf Informationen über die polit. Lage eingehen wollte, die ich gestern erhalten habe. Aber dazu ist leider keine Zeit.
Gestern habe ich im Johannesstift, das schön im Walde hinter Spandau gelegen ist, 2 Stunden für 18 Studenten aus vaterländischen Verbänden ganz Deutschlands gesprochen. Falsche Orientierung über die Verbindung machte die Sache anstrengend und zeigte mir, daß mein Herzzustand eine ungeheure Reizbarkeit zur Folge hat. Nachher wanderte ich allein durch die Tegler Heide. Was für wunderbare Farben! Bei Tegelort über die Havel, durch den Wald mit der Elektrischen. Schloß Tegel. Dann den lieben alten Weg nach Hermsdorf. Abends im Juniklub. Alles kommt jetzt auf die Aktivität der Deutschnationalen an. Die Regierung Str. ist tot und riecht schon. Was wird noch kommen? - Leidest Du auch keine Not?
Heut Nachm. die erste Sprechstunde. Grauenhaft.
Tausend herzliche Grüße Dein Eduard.

Sehr lieber Brief von Frau W. aus München.