Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 27. April 1923 (Heidelberg, Postkarte)


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<Poststempel: 27.4.23>
M. l. F. Zum Sonntag einen schönen Gruß auf dieser Karte aus Hirschhorn, die nicht mal so schlecht ist, wie sie aussah. Vielleicht kreuzt sich diese Nachricht mit einer von Dir – wenn nicht, dann möchte ich Dich bitten, mir, wenn es irgend angeht, einen Termin zu bestimmen. Ich kann nämlich nicht so plötzlich von heut auf morgen abbrechen u. hatte mich nach den früheren Mitteilungen auf Anfang Mai gerichtet. Nun ist aber doch Aenne in Stuttgart u. sie muß zurück kommen, wenn ich fortgehe, muß also rechtzeitig benachrichtigt werden. Auch wäre es mir lieb, auf der Hinfahrt einige Tage in Cassel sein zu können, aus mancherlei Gründen. Aber natürlich ist die erste Rücksicht der eigentlich Zweck der Reise. Ob Du über das "Ob", u. das "Wann" nun im Klaren bist? Aber auch wenn kein Umzug ist, wirst Du doch, – wie ich hoffe, bei unserm Plan bleiben, denn ich rechne jetzt sicher damit u. bin schon recht ungeduldig. Der Dr. G. fragt mich alle Tage, wann ich fortgehe u. die Zeichnungen nach den Wiener Präparaten werden, denke ich, morgen vormittag fertig. – Emma hat Besuch von ihrem Bruder. – Gestern traf ich Frl. Sabine Meinecke bei Adele. –   – Ich fürchte, Du hast rechte Schwierigkeiten jetzt u. nun be
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|ginnt doch auch das Semester. Heinrich Maier macht hier noch die Gegend unsicher, erkennt mich aber nie auf der Straße! – Frl. Dr. Herbig kam verzweifelt mit Listen für den Mittelstand, ich soll schreiben helfen. Dabei steht noch ein Korb Wäsche da zum Plätten u. Strümpfe zum Flicken ohne Ende.
Die Zeitung ist täglich unheimlicher. – Und niemand, mit dem man reden könnte! Aber bald – nicht wahr?
Wann kommt wohl Dein kleiner Student? Die Vorlesungen beginnen. Hoffentlich findet er Wohnung. – Viele, viele herzlich Grüße – auch bei Riehls, wenn Du Sonntag hingehst. D. KH