Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 16. April 1924 (Marienburg)


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Marienburg, den 16. April 1924.
Mein innig Geliebtes!
Nur einen kurzen Bericht, soweit es die hier sehr besetzte Zeit gestattet. Ich bin von den Tagen hier sehr befriedigt. Sie sind für mich lehrreich, für die Teilnehmer fruchtbar, außerdem heiter und harmonisch. Der Eifer der ca 40 Mitglieder ist groß, das Niveau etwas höher als in der Studiengemeinschaft, und einige hoffnungsvolle Leute. Ich selbst habe 2 Vorträge extemporiert, die Hauptsache aber ist die Leitung der Diskussion, wenigstens die ideelle Leitung. Man scheint mit mir zufrieden. Ich gewinne Eindrücke aus der Praxis und sehe, daß mein Standpunkt für sie fruchtbar werden kann. Also ehrliche Arbeit u. gutes, frisches Leben, denen nur die Preuß. Lehrerzeitung in einem Warnungsartikel hinterhältige Motive unterzulegen vermochte.
Wir essen alle zusammen Mittag und Abendbrot; auch des Abends bleiben wir meistens noch zusammen. Der Tag dehnt sich so von 8-11 aus. Heut erwarte ich
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| noch Litt, der aber nicht mit nach Königsberg kommt. Ich fahre morgen nach Elbing, bleibe dort die Nacht; bei passablem Wetter gehe ich noch 2 Tage nach Rauschen, am Ostersonntag nach Königsberg, am 24.IV zurück. Bitte erwarte von der Reise jetzt keine Nachricht mehr. Ich muß die freien Stunden endlich einmal wieder etwas lesen.
Die Marienburg ist weit über alle Erwartungen bedeutsam - ein kleines Kompendium deutscher Baugeschichte und Kunstgeschichte und Geistesgeschichte übpht. Leider kann man sie nicht mehr vom anderen Flußufer sehen; denn dort ist - Ausland! Der Freistaat Danzig. Die Stadt, soweit sie alt ist, d.h. 2 längere Straßen u. 4 Gassen, die Hauptstraße auf beiden Seiten ganz mit Bauten, ist eigenartig in diesen ihren Teilen, ja fast gemütlich; sonst aber über alle Maßen unorganisch und schauerlich geschmacklos. Auch Umgegend fehlt.
Ich werde mir erlauben, Dich unter Riehls Gratulanten zu setzen und 10 M für Dich einzuzahlen. Die Adresse habe ich formuliert. Propp war schon vor 14 Tagen fleißig bei der Arbeit. Am 24. Abends kehre ich erst zurück. Hoffentlich ist das für die Vorbereitung der Feier nicht zu spät. Ich bin neugierig, ob H. Maier die kleine Funktion, die ich ihm zugewiesen habe, wirklich erfüllt. Sei innigst gegrüßt, auch auf 1100 km. Entfernung und verlebe das Osterfest, wie ich, im Gedanken an unsre Gemeinsamkeit. Hier ist noch kaum ein <linker Rand> grünes Spitzchen. Grüße auch unsre Freundin - malgré tout. Dein Eduard.
[re. Rand] Susanne ist nicht abgebaut u. hat ihre Reise angetreten: Sonnabend - Sonntag <Kopf> ist sie in Würzburg. Heidelberg steht nicht auf ihrem Programm.