Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 30. Juli 1924 (Wilmersdorf)


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30.7.24.
Mein innig Geliebtes!
Du wirst schon früher eine Nachricht erwartet haben. Aber meine Stimmung in diesen Tagen eignete sich nicht zur Mitteilung. Ich habe mir allerhand Krankheitsbilder ausgemalt. Einen Arzt aufzusuchen, fand ich keine Zeit. Am Sonnabend war ich, mit einer guten Flasche Burgunder bewaffnet, bei Benary. Der arme alte Mann war aber selbst recht krank, und ich konnte nur mit s. Tochter sprechen, die früher in Heidelberg bei Rothacker Sekretärin war. Danach war ich - sozusagen "vergnügt" - beim Dekan, den ich wirklich recht liebgewonnen habe. Der Rektor und Maier, das perfekte Rindvieh, waren auch da. Sonntag habe ich maßlos gearbeitet. Montag war ich - Halbleiche - bei Riehls, denen es erfreulich ging - und Dienstag schloß ich die Vorlesung. Es wäre einfach nicht weiter auf gute Art gegangen. Heut habe ich das Seminar, das wieder recht minderwertig war, geschlossen, und nach allen zugehörigen Allongen war ich bei dem Riehlschen Arzt Dr. Kurzrock, der mich totaliter
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| sehr gründlich untersuchte. Die Beschwerden sollen nervöser Natur sein und nur eine gründliche Erholung fordern. Ich hoffe nun dringendst und herzlich, daß es Dir auch fortdauernd besser gegangen ist, so daß unser Plan gelingt und unser Zusammensein recht schön wird. Bis dahin ist hier natürlich noch ungeheuer viel zu tun. Am Sonnabend (9.8.) 6.54 abends hoffe ich in Heidelberg zu sein. Richte Dich bitte ein, daß wir am Sonntag 8.50 früh nach Freiburg weiterfahren können und melde uns beide bitte noch einmal per Postkarte in Lenzkirch für nachm. ca 4 Uhr an. Die Nacht mache bitte keinen großen Umbau. Ich schlafe - wie es Dir bequemer ist - auf dem Sofa oder im Seltenleer. Die Hauptsache ist, daß wir bald ans Ziel kommen, um noch etwas vom Sommer zu haben. Denn m. bisherige Ausbeute war doch zu traurig, und ich bin wirklich nur noch mein Schatten, bald nur noch mein Name.
Innigste Wünsche und Grüße
Dein
Eduard.