Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 27. September 1924 (Regensburg, Postkarte)


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Regensburg, den 27.9.24.  11 Uhr abends
M. L! Noch einmal grüße ich Dich von der Donau. Ich bin um 2 ½ mit Kerschensteiner ja nach München gefahren u. mache hier bis morgen früh 10 Uhr Station. Das Losreißen ist mir wieder sehr schwer geworden. Auch von Landschaft u. Stille, am meisten aber von dem Kinde. Ich glaube sie ganz realistisch zu sehen und habe doch unendliche Freude an der naiven Lieblichkeit, die durch alle bayrischen Formen hindurchklingt und gerade mir gegenüber zur Geltung kommt,
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| weil die Idealität unsrer Freundschaft auch von ihr als etwas unvergleichlich Schönes dunkel gefühlt wird. Dazu kam nun in den letzten Tagen die sorgsam verborgene, aber aus jedem Wort fühlbare Freude über die Hoffnung auf Heidelberg. Kannst Du es irgend ermöglichen, dann bitte ich Dich noch einmal, mache dem Hexchen die Freude. Ich denke natürlich darüber dauernd nach, wie die Sache für Dich möglichst wenig anstrengend gemacht werden kann. Das "Technische" mußt Du schon selbst finden. Ich gebe schon heut den Rat, nichts zu sparen, wenn Du durch irgend einen Modus Dich entlasten kannst. Mannheim darf nicht fehlen. Ja selbst von Jugenheim war die Rede (Frau W.s Heimat.) Aber ev. geht da ein Wandervogel mit. - Die Post, die gestern kam, bewies, daß die schönen Tage v. <Wort unleserlich> vorüber sind. Es waren noch Mitteilungen aus Beuron dabei, die beweisen, daß die Lenzkircher Post die Schuld hat. - Gleichzeitig kamen Aufforderungen, in Riga u. in Dorpat (u. Hannover) zu reden. - Ich blicke auf diese Reise mit voller Befriedigung zurück. Hoffentlich spürst Du auch ein wenig von der Erholung. Bitte grüße unsre Freundin. Hat Dr. B. schon einen Nachfolger? Viel herzliche Grüße Dein <re. Rand> Eduard.   In München traf ich Ziehen - Frankfurt.
[re. Rand S. 1] Von der Jugendpsych. muß die 3. Aufl.<li. Rand> Ende November gedruckt sein. Alice <li. Rand S. 2> Salomon schrieb mir heut einen schönen Brief darüber.