Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 2. Oktober 1924 (Wilmersdorf)


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Wilmersdorf, den 2.X.24.
Mein innig Geliebtes!
Die Gewißheit, Dich ganz zu haben, kam mir unendlich tröstend aus Deinem lieben Brief. Heut mußt Du mir erlassen, alles in Worten zu sagen, was ich fühle. Seit gestern muß ich mich in den schmerzlichen Gedanken einleben, den teuren Vater Riehl in kurzem zu verlieren. Der Magen versagt gänzlich; man arbeitet mit Nährklystieren; der Husten ist quälend. Gerade gestern meldeten sich die ersten Anzeichen der Lungenentzündung. Die Lage im Hause ist verworren: Hans eben erst selbst genesen. Lore wurde für Mitternacht erwartet. Bau und Umzug sind noch nicht vollendet.
Ich sah Riehl nur eine Minute, und er war wie immer nur Liebe und Güte.
Daß nun auch bei mir die an sich vorhandende Verwirrung in allen Dispositionen noch größer wird, kannst Du Dir denken. So hatte ich eben einen großen Teil meines Geldes festgelegt. Nun brauchen Riehls etwas, u. Steuern sind auch zu zahlen. Es ist sehr ungeschickt.
Du, mein Liebes, wirst mir die größte Freude machen, wenn Du ganz so, wie Deine lieben, warmen
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| Worte es sagen, ein paar glückliche Tage mit Felizitas verlebst. Deine Güte wird ohne jede besondere Maßnahme zu ihr sprechen. Seid heiter und seid es in meinem Sinne. Aber strenge Dich nicht zu sehr an. Laß mal jemand anderes mitgehen, z. B. nach Mannheim ins Theater. Kino liebt sie auch, für Regenwetter. Eßt zur allseitigen Entlastung, ev. mit dem Vorstand, auswärts (Reichspost.) Zu dem Programm, das ja natürlich nicht zu erschöpfen ist, füge ich noch die Bergbahn hinzu. Warne sie davor, allein auf dem Neckar Kahn zu fahren. Aber laß sie ruhig in die Hauptstraße oder aufs Schloß bummeln. In den Jahren ist man über ein bißchen Selbstständigkeit froh. - Wenn möglich, führe sie zu einem Arzt wegen ihres sich andeutenden Kropfleidens. - Die Erkennungszeichen wird Frau W. mit Dir ausmachen. Sie soll bei Tage, also um 11 von Mühlacker ankommen. Ich danke Dir so sehr, daß Du so denkst u. fühlst, wie ich es in Deinem lieben Brief finde. Und hoffentlich führst Du nun mit der Kleinen 8 Tage lang das Leben fort, dessen Abbruch in P. mir in dunkler Ahnung wie der <Wort unleserlich> Abschied vom Schönen erschien.
Heut Abend beim Reichspräsidenten. Kann ich den Plan innehalten, so am 8. u. 9. in Thale; vom 24. an bis mindestens 3.11. in den Baltischen Provinzen. Leider steht es mit dem Magen nicht besser als vor m. Abreise. Geheimer Reg.rat Dr. Kühne Charlottenburg, Schloßstr. 17. Dank für das Miniaturbildchen von Fürsatz. Ich bin in aller Tiefe und von ganzer Seele nur Dein Eduard.
[li. Rand] Wenn Feliz. Montag abreist, kann sie Mittwoch in H. sein. Ich habe gestern gleich geschrieben.