Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 1. August 1924 (Heidelberg, Briefkarte)


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Heidelberg. 1. Aug. 24
Mein liebstes Herz,
natürlich haben sich unsre Briefe gekreuzt! Wenn ich das immer mit Sicherheit vorher wüßte, dann schickte ich solchen Stoßseufzer ja garnicht ab. Es genügte, wenn er geschrieben ist! - Alle Fragen waren also schon beantwortet. Nein, wie glücklich bin ich heute, es ist ein ganz andres Leben! Also es ist nichts am Blinddarm - u. Du hast auch nicht bei Dir gedacht: jetzt macht sie mir blos noch Unruhe, daß ich zum Arzt gehen soll! Es ist doch eben nicht ratsam, mit einer Blinddarmreizung leichtsinnig zu sein.
Denke auch daran, daß es da oben leicht recht kalt wird u. nimm warmes Unterzeug mit. -
Ich hatte ein entzündetes Auge, wohl überanstrengt u. bin jetzt prinzipiell faul. Immerfort
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| denke ich daran, wie ich Dich am nächsten Samstag abholen werde! Es ist so schön, daß ich mich jetzt auf die bestimmte Stunde freuen kann.
Seit gestern ist es wieder schön Wetter, heute ein köstlicher Tag. Ich lud die beiden Gäste unten auf die Molkenkur ein (2,20 M) u. saß so den ganzen Nachmittag im Freien, so hatten die Augen Schonzeit.
Also jetzt nur noch einmal jeden Wochentag - dann kommst Du!
Sei mir innig gegrüßt u. bleibe gesund, reise gut u. falls sich nichts ändert, höre ich jetzt schriftlich nichts mehr u. hole Dich am 9. zum Abendbrot (Schinken u. Ei) - ab.-
Deine Käthe.