Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 6. Oktober 1924 (Heidelberg)


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Heidelberg. 6. Okt. 1924.
Mein liebes Herz.
Du weißt, wie sehr ich im Geiste bei Dir bin u. die Sorge um Deinen Vater Riehl mitfühle. Es ist wohl ein Abschied, den man seit lange erwarten mußte, aber man hofft doch immer wieder, daß es sich noch einmal zum Besseren wenden möchte! Nach Deinen letzten Nachrichten aber scheint das leider ausgeschlossen u. man möchte wohl beinah wünschen, daß man den erschöpften Körper nicht immer wieder zu neuen Leidenstagen aufpeitschte.
Wie gern hätte ich Dir gleich geschrieben. Auch sonst. Denn Deine lieben Worte haben mich sehr glücklich gemacht u. ich habe sie unzählige Male gelesen. Es ist endlich wieder der alte, echte, vertrauende Ton. Das wollen wir festhalten, mein Lieb, u. wollen im Zweifelsfalle immer das annehmen, was dem Andern das Günstigere ist, da steigen keine unheimlichen Gespenster auf. Es ist mir ja am allerschwersten zu wissen, daß Du leidest!
Dein lieber Brief kam gerade im gleichen Augenblick [über der Zeile] (Freitag nachm.) mit Gretli Schwidtal an, u. zugleich mit beiliegendem von Aennchen. Du wirst begreifen, wie mich das nach allen Seiten hin ergriff u. in Anspruch nahm. Gretli sollte doch etwas vom hiesigen Aufenthalt haben,* [weiter unten im Absatz] *(Freitag abends Concert!) die versäumte Zeichenzeit mußte am Sonnabend nachgeholt werden, vor dem Bade - nach Tisch kurze Ruhe, - - Spaziergang, Sonntag vormittag Museum, nachmittag Neckarsteinach - Hirschhorn, heute früh 8 Uhr Abreise u. jetzt ½ 10 die Nachricht, daß Felizitas morgen, Dienstag 3 Uhr ankommen wird! Wie sehr froh u. natürlich schreibt Frau Witting; möchte doch alles so schön verlaufen, wie wir es hoffen! Felizitas soll von hier nun doch nach Genf weiter fahren.
Verzeih mir, mein Herz, wenn ich heute nichts schreibe von allem, was mich bewegt. Möchtest Du gute Reisetage haben - u. bleibe mir gesund. Eigentlich sollte man sagen: werde es, denn die nervöse Reizbarkeit von Magen u. Darm
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| ist so lästig u. wird gewiß vom Bahnfahren neu erregt. Schreibe mir doch hie u. da eine Karte, daß ich äußerlich Bescheid weiß - innerlich wissen wir es jetzt wieder, nicht wahr?
In Liebe u. Treue
Deine Käthe.